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meine Meinung

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Werbung in eigener Sache

14. Juli 2013

CIMG1956Ich bin seit einiger Zeit freies Mitglied der „unauf [gefordert]“, der offiziellen Universitätszeitung der Humboldt Universität Berlins. Da ich leider zu einem Zeitpunkt dazu gestoßen bin, an dem die Ausgabe schon feststand und jede Rubrik und jeder Artikel schon geschrieben wurde, hatte ich erst die Chance, an einer Ausgabe wirklich aktiv mitzuwirken. Ich bekam also die spannende Aufgabe, eine „Glosse“ für die Unauf Nr 218 zu verfassen 🙂 Diese ist die neuste, jetzt erscheinende Ausgabe, die man wahrscheinlich überall auf dem Campus der HU finden kann. Der Titel der Ausgabe heißt „Rauszeit – Der langersehnte Urlaub steht vor der Tür. Zeit, das Reiseverhalten von Studierenden zu untersuchen“ und beschäftigt sich, hört hört, mit den Reisegewohnheiten der Studenten.

Meine Glosse beschäftigt sich mit dem Verlagswesen, ein Thema, welches auch schon in diesem Blog Gehör fand. Für viele mag so etwas keine große Sache sein, publizieren kann ja schließlich jeder und einen Artikel zu verfassen, der wahrscheinlich nicht einmal hohe literarische oder journalistische Qualität aufweist, grenzt auch nicht an Quantenphysik. Trotzdem bin ich sehr stolz darauf, etwas Gedrucktes zu haben, wo mein Name drunter steht. Und dann auch noch eine Glosse, die meiner Meinung nach eine der spannendsten Disziplinen des journalistischen Schreibens ist. Ob mein Geschreibsel nun Mist oder Nobelpreiswürdig ist, ist egal. Es mag ein kleiner Schritt für viele sein, für mich ist es ein großer Spaß. Es zeigt mir, dass es nach vorne geht und dass ich mich jeden Tag ein bisschen weiterentwickele. Entwicklung ist gut, Stillstand nicht. Deswegen versuche ich, immer in Bewegung zu bleiben, viel zu schaffen und mich jeden Tag neu zu erfinden. Ob mir das gelingt ist dahingestellt. Ich glaube, dass das auch nicht wirklich von Bedeutung ist. Hauptsache man gibt sein Bestes und bleibt sich dabei treu.

Ich kann die Unauf nur empfehlen, dabei zu sein macht echt Laune und man lernt sehr viel über das Schreiben und über die Tätigkeit in Zeitungen, Redaktionen, etc. Es ist echt schade, dass ich erst in meinem letzten Semester dazu gestoßen bin. Aber mit dem Auslandsaufenthalt und dem ganzen Stress, der damit verbunden war sowie dem Verfassen der Masterarbeit blieb auch echt nicht viel Zeit. Vielleicht gründe ich ja mal meine eigne Zeitung, haha. Wieso nicht? Einmal im Monat ein paar Seiten rausbringen, das ist doch lustig? Vielleicht finden sich ja ein paar Begeisterte? Zum Thema Film/Fernsehen zum Beispiel, das wäre klasse. Rezensionen, wissenschaftliche Artikel oder andere Dinge, auf die uns das Studium vielleicht ein bisschen vorbereitet hat. Eine Kollab mit allen Ex-Filmwissenschaftshomies, zum Beispiel. Jeder nimmt eine Rubrik und dann geht’s rund. Sowas wäre wirklich ein Traum und bestimmt super witzig. Ich werde es mit einer mentalen Notiz versehen und ein Konzept erarbeiten. Ich freu mich drauf, was auch immer passiert. In Bewegung bleiben!

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Freiheit – Ein Nachruf

7. Juli 2013

Es ist noch nicht so lange her, da stand ein strahlender Obama am Brandenburger Tor in Berlin und zog symbolisch seine Jacke aus – ein Zeichen von Freundschaft und Vertrauen. Man muss kein promovierter Psychologe sein, um den Subtext dieser Geste zu verstehen. Hier in Deutschland fühlt er sich wohl, hier unter seinen Verbündeten braucht er nicht den starren Staatsmann mimen, hier kann er sich relaxt zeigen.

Jedoch scheint er sich in Wirklichkeit mit den Deutschen nicht allzu verbunden zu fühlen. Freunde, denen man Vertrauen entgegenbringt, spät man schließlich nicht systematisch aus. Der Spiegel enthüllte vor ein paar Tagen, dass täglich 500.000 Kommunikationsverbindungen (SMS, Telefon, Mail) in Deutschland von den Amerikanern abgehört werden. Eine halbe Millionen, jeden Tag. Das alles passiert natürlich unter dem Deckmantel der Terrorprävention. Um die USA vor islamistischen Angriffen zu bewahren durchforsten die Yankees also jeden Tag eine Myriade von elektronischer Post in der Hoffnung, alle Jubeljahre einmal einen in Deutschland ansässigen Schläfer zu entdecken. Unterstützt von den Briten, die sich vor allem erst einmal selbst an die Nase fassen sollten und in ihren eigenen Reihen aufräumen sollten, wird hier der größte Eingriff in die menschliche Würde und Privatsphäre aller Zeiten aufgedeckt, welchen George Orwell die Feder aus der Mütze springen lassen würde.

Dabei wirkt der Vorwand des internationalen Terrors wie ein Schlag ins Gesicht. Die NSA zapft ja nicht nur unwissende Bürger und potentielle Dschihadisten an, sondern auch Botschaften, Regierungsorganisationen, die deutsche Regierung sowie Institutionen der Europäischen Union und Industrieunternehmen in Deutschland aus. Warum auch gerade diese Institutionen im Kampf gegen den Terror überwacht werden ist unglaubwürdig und entlarvt die vorgeschobenen Argumente der Ausspäher als Unsinn. Weder die deutsche Regierung, noch die EU unterstützt Terroristen, sondern ist Verbündeter der USA in ihren militärischen Interventionen. Die Deutsche Sicherheit wird ja schließlich nicht nur am Hindukusch verteidigt.

Eher scheint es hier um andere Dinge zu gehen, die bei genauem Hinsehen viel gravierender sind als ein verwirrter Selbstmordattentäter: die komplette, uneingeschränkte und allumfassende Kontrolle. Durch systematische Spionage und ungefilterte Datenspeicherung wähnt sich das Land, welches die Freiheit als eines ihrer Grundwerte gepachtet hat, in einer gewissen Vormachtstellung in der Welt. Sie besitzen die Arroganz, so etwas durchzuführen, ohne später jegliche Konsequenzen dafür fürchten zu müssen. Sie haben es nicht nötig, sich an die „Spielregeln“ und bilaterale Abkommen zu halten, geschweige denn an internationale Immunität demokratischer Rechtsstaaten. Die eigenen Interessen durchzuboxen und dabei die Verbündeten zu hintergehen ist dabei jedoch nicht nur ein moralischen Vergehen; Was hier en Gros aufgezogen wurde ist einer der größten Skandale nach Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs. Jedoch fragt man sich: wieso Deutschland, wieso der ungemeine Fokus auf uns? Jetzt, wo Journalisten immer mehr entlarven und auch amerikanische Industriespionage in Deutschland entdeckten, drängt sich die Frage auf, ob die Amerikaner sich mit allen Mitteln ihre bislang unangefochtene Vormachtstellung der westlichen Welt bewahren wollen. Kann es sein, dass sie Angst haben, Deutschland könnte wieder einmal zu gewichtig in der Welt werden? Jetzt, wo Angela Merkel von ihren internationalen Kollegen oft spaßeshalber als „Königin von Europa“ getauft wird und griechische und spanische Zeitungen sie immer mal wieder auf Deutschlands große Machtausübung auf und Lenkung von europäischen Anliegen schimpfen, scheinen die Freunde jenseits des Teiches eine Art ungutes Gefühl im Bezug ihres ehemaligen Besatzungslandes erinnert. Beneiden sie die Deutsche Wirtschaft und innovative Industrie oder sind sie an Vorfälle vor 68 Jahren erinnert, in denen Deutschland schon einmal Europa dominierte? Ist, nach all den Jahren Deutsch-Amerikanischer Freundschaft die Verbindung zwischen den beiden Staaten immer noch durch ein amerikanisches Misstrauen unterwandert? Wenn das so ist, dann ist die Paranoia des Kalten Kriegs nicht mit dem Fall der Mauer abgetragen worden. Der Deutsche, der ewige Nazi? Was in Filmen der 80er Jahre noch stümperhaft in amerikanischen Kinos flimmerte, scheint jetzt wieder allgegenwärtig in den Köpfen der Menschen verankert zu sein. Und schlimmer noch: Angela Merkel, aufgewachsen in der ehemaligen DDR, angelernt beim Russen, sozusagen. Sie ist der Prototyp des Amerikanischen Alptraums: Ein Kommunisten-Nazi auf Beutezug in der Welt. Erst wird Polen eingenommen und dann Amerika. Und ehe sie sich versehen, marschieren die Teutonen mit wehenden Fahnen in Washington ein, singen die dritte Strophe der deutschen Nationalhymne und hissen die rote Flagge mit  Hammer und Sichel auf dem Weißen Haus. Joa so wolln’s die oalten Rittersleut!

Spaß beiseite, es drängt sich die Frage auf, ob „die Beteiligung der Briten an der Europäischen Union, nur eine Scharade [ist], um besser kontrollieren zu können, was die vermeintlichen Partner im Schilde führen?“ (Kuzmany). Der Angelsachse als verlängerter Arm der Amerikaner als Saboteur der EU mag vielleicht etwas verschärft klingen, trifft jedoch in gewissen Punkten den Nerv der Zeit. Die Alte Welt muckt auf, Deutschland hat die Opferrolle abgestreift und präsentiert sich als ernstzunehmende wirtschaftliche und intellektuelle Konkurrenz, während das gelobte Land der Freien und Mutigen durch Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit für gesellschaftliche Minoritäten glänzt.  Die Milliarden von Dollar, die für Tempora-Projekte verpulvert werden, hätten für die soziale Sicherung der US-Bürger sowie die Förderung von Minderheiten und die Sanierung von öffentlichen Schulen der USA mehr getan. Jedoch führen die Amerikaner eher einen totalen Cyberkrieg gegen so genannte Drittstaaten und tun dies noch ganz offiziell als Lappalie ab. Ich glaube jedoch, dass, wenn der Iran oder Nordkorea ähnliches in den USA veranstaltet hätte, würden jetzt schon die Bomben fallen. Don’t fuck with us, ‘cause we’re already too busy fucking with everybody else.

Wahrscheinlich stehe ich nach diesem Eintrag selbst auf der Liste. Schließlich habe ich nicht nur eine kritische Meinung abgegeben, sondern auch bestimmte „Buzz Words“ benutzt, die bei einem Raster alle Alarmglocken ziehen werden. Und, weil’s doch so schön war noch eine Ehrenrunde: Putin, Karl Marx, Mohammed, Islam, Hitler, Deutschland, Merkel, Russland, Kim Jong Un, Ahmadschinedad, Burqa, Communism, Burger, Taco Bell, Mexico, Snowden-ist-mein-Nachbar, Homosexuality, Gay Marriage, Abortion, Guantanamo.

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Weisheiten, die das Leben nicht braucht. Oder: Quatsch, der einem früher von Erwachsenen immer erzählt wurde

30. Juni 2013

Wer kennt sie nicht, die nervigen Sprichwörter und abgenudelten Kalendersprüche, die einem ab der ersten Sekunde des Lebens an den Kopf geknallt wurden. Es vergeht kein Tag an dem ich kein „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ oder ein abgedroschenes „geteiltes Leid ist halbes Leid“ höre. Okay. Sowas mag vielleicht in den dunklen Zeiten der Gebrüder Grimm Trost gespendet haben; früher hatte man ja auch nicht viel mehr als nette Worte und den festen Glauben daran, dass alles gut wird, wenn man nur den jahrhundertalten Aufwasch von Klugscheißerei oft genug wiederholt. Und dann hangelt man sich ein Leben lang von Spruch zu Spruch, dabei ist es völlig unwichtig, dass der frühe Vogel irgendeinen Wurm fängt, wenn um 6h Montags morgens der Wecker klingelt und man sich für eine weitere 40-Stundenwoche fertigmacht. Das Mittelalter ist vorbei, wir haben fließendes Wasser und Strom, wir brauchen keine erhobenen Zeigefinger in Spruchform, der uns an irgendeinen moralischen Quatsch erinnert. Trenne nie S und T, denn es tut den beiden weh. Großartig.

Ich habe mal meine persönliche „Top 5“ der nervigsten und haarsträubendsten Sprichwörter und Weisheiten gesammelt, die mir in meinem Leben bisher untergekommen sind. Alle Angaben natürlich wie immer ohne Gewähr aber mit Gewehr.

5. Schenkt dir das Leben Zitronen, mach Limonade daraus.

Was zur Hölle? Wo sind wir bitte, in den 50ern? Wenn jemand heute durch Berlin rennt und jedem n Sack Zitronen schenkt, den er trifft, dann wird der aber schneller in die Klapsmühle eingewiesen, als er „Fanta“ sagen kann („Fanta ist für alle da, schreit Manni aus seinem Manta“). Oder vielleicht fällt er neben den ganzen anderen Verrückten auch gar nicht großartig auf, wer weiß? Und wenn man diese Aktion als underground und Performance-Act tituliert, dann kann man in Prenzlberg wahrscheinlich sogar noch Eintritt dafür nehmen…

Ne ich versteh‘ schon; Man soll das Leben so nehmen, wie’s ist und das Beste daraus machen. Ich denk mir nur: Wenn mir das Leben Zitronen schenkt, dann versuch ich die doch eher gewinnbringend zu verkaufen. Oder ich tausche die Zitronen gehen Äpfel und mach‘ mir nen viel besseren Saft und verkauf den dann. Oder ich back mir daraus n Kuchen.

4. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Okay das sagen nur faule oder lern-unwillige Leute. Oder eben diejenigen, die mit dem Namen Hans gestraft wurden. Wenn Erwachsene nichts mehr lernen können, dann wertet diese Logik doch sämtliche Universitäten oder Ausbildungen als Zeitverschwendung ab. Nein, ich kann jetzt leider nicht mehr kochen lernen, ich bin schon über 18 – deswegen muss ich leider verhungern…

Der Spruch sollte eigentlich heißen: „Hans, sei nicht so verdammt unflexibel und setz dich hin und lerne endlich. Schließlich hast du als Hänschen genug getrödelt. Da haste jetzt den Salat, du alter Schlendrian!“

3. Misserfolge sind oft notwendige Umwege zum Erfolg.

Nein. Erfolg ist der notwendige Weg zum Erfolg, da gibt’s keine Umwege. Misserfolge lassen einen eher zweifeln und im schlimmsten Fall zum Hinschmeißen animieren. Wer denkt sich den bitte: „juhu ich scheitere die ganze Zeit, die Unis und Arbeitsplätze lehnen mich ab – das heißt, dass ich erfolgreich bin“??? Wenn so etwas passiert, sollte man eher seine Taktik überdenken und es vielleicht mit anderen Wegen zum Erfolg probieren.

2. Wer schön sein will muss leiden.

Diese Dreistigkeit wurde wahrscheinlich von den Schönen erfunden. Die Schönen leiden nicht, ganz im Gegenteil! Statistisch gesehen haben sie es sogar leichter, weil ein schönes Gesicht öfter Sympathie und Vertrauen weckt. Es sollte eher heißen: Wer hässlich ist muss leiden und zwar nicht zu knapp! „Schön sein“ kann man entweder, weil man es von Natur aus ist – und dann muss man dafür ganz und gar nicht leiden, man ist es dann einfach – oder, wenn man der Natur nachhilft. Und das Nachhelfen ist immer mit Schmerzen verbunden. Wer sich mit Operationen ’schön machen lässt‘, der ist meistens am Ende leider nicht so wirklich… ach ich weiß auch nicht.

1. Das wirst du später einmal brauchen (Mathematik).

Obwohl ich schon seit vielen Jahren aus der Schule raus bin, habe ich immer noch den Alptraum der Mathearbeit. Im Traum finde ich mich in der Schule wieder und bin kurz davor eine Mathearbeit zu schreiben…dabei habe ich nichts gelernt!! Schweißgebadet wache ich auf und erinnere mich nach kurzer Schockstarre beim Einschlafen dann wieder daran, dass Mathematik die allergrößte Zeitverschwendung ist. Klar, Rechnen ist wichtig, Prozentrechnung und blabla auch. Aber, wozu brauche ich die PQ-Formel oder die Integralrechnung? Und dann immer der Spruch des Mathelehrers: „Ja das werdet ihr später alle einmal brauchen“. Was für eine dicke, fette Lüge. Man sollte Mathematik in „Fete de Lüge“ umbenennen, so sehr stinkt das alles. Niemals, niiiiemals habe ich in all den Jahren irgendetwas aus der höheren Mathematik gebraucht. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass, wenn ich jetzt nicht noch Mathematik studieren werde, ich diesen Müll auch nie brauchen werde. Also wozu der Aufriss? Wozu dieses Gelaber um die Notwendigkeit dieser Sachen im Alltag? Wahrscheinlich aus purem Sadismus.

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So ist das. Weisheiten sind ja ganz nett und haben oft auch viel Wahrheit in sich, jedoch ist ein Großteil davon einfach nur Banane und verschafft den Klugscheißern und Mathematiklehrern unter uns die Genugtuung, anderen ihre Schwächen unter die Nase zu reiben. Aber, ihr wisst ja: Wer zu Letzt lacht… und man sieht sich immer zwei Mal im Leben.

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勝るを羨まざれ、劣るを卑しまざれ

23. Juni 2013

Ich glaube nicht an Talent. Talent ist eine Ausrede für faule Menschen, die sich zu gemütlich sind, um den Hintern hoch zu kriegen und sich anzustrengen. Ich glaube auch nicht an Veranlagung oder „ein Händchen für etwas haben“. Jeder Mensch hat bei der Geburt die gleichen Voraussetzungen, erst Förderung, Fleiß, Determination und Sozialisierung formen „Talent“ oder ähnliches. Denn, Talent ist nutzlos, wenn man im Slum von West-Monrovia aufwächst und nicht die monetären Möglichkeiten hat, sich selbst zu entfalten und gefördert zu werden. Auch hätte Mozart sein „Talent“ nicht viel gebracht, wenn er nicht neun Stunden am Tag Klavier gespielt und hart für seinen Erfolg gearbeitet hätte. Ich find’s immer so lachhaft, wenn Leute glauben, talentierten Künstlern würden die Ideen nur so zufliegen… den romantischen Gedanken vom irdischen Genie haben wir ja schließlich schon vor 200 Jahren ad Acta gelegt. Erfolgreiche Menschen arbeiten hart an ihrem Erfolg und all das Gelaber um Talente ist mehr eine Beleidigung, als eine Wertschätzung. Talent klingt immer so, als hätte sich ein Michael Jackson mit 5 Jahren auf die Bühne gestellt und einfach drauflos gesungen und – Tadaa- zwei Dekaden später fallen ihm Preise, Goldene Schallplatten und Nummer-eins-Hits einfach so in den Schoß. Dass der Mensch sein ganzes Leben, seine ganze Freiheit und Kindheit geopfert hat, um dahin zu kommen, wo er war, wird ignoriert. Nein, dann wird von Tanz-Talent gesprochen. Och wie gut er doch getanzt und gesungen hat – und erst dieser Moonwalk, wie unglaublich eindrucksvoll und originell… ja vielleicht weil er sein Leben nichts anderes gemacht hat? Viele sehen oft den Erfolg, aber nicht den harten Weg dahinter. Viele sind neidisch auf das Positive, was erfolgreichen Menschen widerfährt, sehen aber nicht hinter die Kulissen und sehen nicht die Anstrengung und den Schweiß, der damit verbunden ist.

Da jedoch von Talent zu sprechen, ist unfair. Es gibt keine Talente, nur harte Arbeit und determinierten Fleiß. Trotzdem glaube ich, dass jeder etwas hat, was er/sie besser kann, als alle anderen. Oder, um’s pragmatischer auszudrücken, jeder hat etwas, was er am besten kann. Dieses herauszufinden, ist, meiner Meinung nach, das Wichtigste im Leben. Es hat lange gebraucht, bis ich wusste, was ich am besten kann. Und damit meine ich nicht unbedingt und ausschließlich erlernbare Fähigkeiten wie Radfahren, Malen oder Gitarre spielen; Vielmehr können das auch Eigenschaften sein…der eine kann gut zuhören, der andere gut motivieren, ein dritter vielleicht sich mathematische Zusammenhänge bildlich vorstellen. Das hat aber nichts mit a priori oder sonstwas zu tun, sondern ist auf Erfahrung oder Übung. Gut zeichnen zu können hat was mit Übung zu tun. Dass ich nicht einmal ein Strichmännchen malen kann, liegt daran, dass ich das nie geübt habe und nicht, dass ich kein Talent dazu habe. Würde ich mich jeden Tag hinsetzen und von der Pike auf zeichnen üben, wäre ich vielleicht in ein paar Jahren auch gut dahin. Will ich das? Nein, denn in den zweieinhalb Dekaden meines jungen Lebens habe ich andere Wichtigkeiten für mich entdeckt. Ich finde es nur immer so unglaublich ernüchternd, wenn von Neid zerfressene Leute das Können und den Erfolg anderer schlechtmachen. Sollen die sich doch selbst anstrengen und großartiges schaffen, als immer ihre eigenen Unsicherheiten und Komplexe hinter Neid und Missgunst zu betten. Was ist eure Ausrede? Vor allem Menschen aus Industrienationen, die die Freiheit und soziale Absicherung haben, das zu tun, was sie möchten. Live long and prosper, motherfuckers. Oder so.

Mich regt sowas einfach auf. Liegt vielleicht daran, dass ich selten Neid empfinde. Mich spornt Erfolg eher an. Sowas pusht mich ganz gewaltig. Anstatt anderen Menschen den hart erarbeiteten Erfolg zu missgönnen, sehe ich das eher als Anreiz, auch großes zu tun.  Oder es wenigstens zu versuchen. Und wenn Erfolg für einen auch bedeutet, nach langer Prokrastination eine aufgeschobene Sache zu beenden, den Müll runterzubringen, oder alte Klamotten auszusortieren ist da auch gut. Mehr als scheitern kann ich eh nicht, und wenn ich’s nicht versuche und nur rumsitze und rumheule, beleidige ich eher diejenigen, die aus Armut seit Kindesbein an täglich 14 Stunden arbeiten mussten, um überhaupt ein Abendessen auf den Tisch zu kriegen. Und wer neidisch ist, hat schon verloren. See me when I walk away.

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Reich mir mal den Rettich rüber

16. Juni 2013

Auch wenn bei mir gerade alles ziemlich rund läuft und ich mich nicht beschweren kann, sehe ich, wie es Freunden von mir im Moment ziemlich schlecht geht. Sei es auf Grund von Todesfällen, oder aus der Erkenntnis, dass auch nach acht Jahren die Zeit nicht alle Wunden heilen kann, das Leben zeigt sich in diesem Monat für einige in meinem Freundes- und Bekanntenkreis von seiner Schattenseite. Im Jahr 2008 war ich fest davon überzeugt, dass der Tod in regelmäßigen Abständen auf die Erde kommt und sich wie ein Mantel voll Schmerz und Verderben auf Städte und Orte niederlegt. Ist er erst einmal da, kann sich all das Übel der Welt auf einmal entladen – wie bei einem Staudammbruch, bei dem das aufgestaute Wasser in tosenden Mengen in alle Richtungen strömt. Dieses Ventil platzt bei jedem an einer anderen Stelle und zu einer anderen Zeit. Ob man das Karma, göttliche Fügung oder Schicksal nennt, ist in diesem Moment egal. Fakt ist, dass früher oder später jeder einen Staudammbruch erlebt. Und vielleicht ist auch genau das der Sinn des Lebens: nach den überwältigend scheinenden Wasserfluten, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen das Ufer wieder zu erreichen, sich trockene Sachen anzuziehen und weiterzugehen. Und ob diese Reise allein oder mit anderen bestritten wird, muss jeder für sich entscheiden. Der größte und schwerste Schritt ist dabei wohl, sich ans Ufer zu kämpfen und nach all der Anstrengung sich mit alleinigen Kräften aus dem Wasser zu ziehen. Viele Menschen ertrinken bei dem Versuch oder haben sich schon vorher auf Grund nachgelassener Kräfte mit den Wassermassen mitreißen lassen.

Woran man merkt, dass es uns in Deutschland noch zu gut geht, ist, dass man an der Humboldt Universität Gender Studies im Bachelor und Master studieren kann. Gender Studies! 783 Millionen Menschen auf diesem Planeten haben keinen Zugang zu Trinkwasser und unsere Steuergelder finanzieren Diskussionen über genderneutrale Sprache im Kindergarten und die Ersetzung der Worte „Mutter“ und „Vater“ in das geschlechterneutrale „Elter“. Ein Elter, zwei Eltern. Dein Elter wird dich heute um 14 Uhr abholen, Tommy. Fast zwei Drittel der 796 Millionen erwachsenen Analphabeten sind Frauen und wir echauffieren uns über die generalistische Anrede „Professorin“ an der Uni in Leipzig.

Bis zur Weltrettung ist noch ein weiter Weg, voller Dürren und Überschwemmungen. Bis dahin werde ich einfach weiterhin hier sitzen und für alle ein offenes Ohr haben, die eines brauchen. Ein offenes Ohr und zwei linke Hände, damit kann ich gleichzeitig Zuhören und dabei Ikea-Möbel falsch herum aufbauen. Irgendwann lachen wir alle über diese Zeit. Wir klopfen uns auf die Schenkel und sagen: „weißt du noch, damals… als wir noch jung waren“. Und dann prosten wir uns über unseren ganz persönlichen Staudämmen zu.

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Ho(nett)

18. Januar 2013

Ich wünschte es wäre nicht sozial tabuisiert, Leuten die ehrliche Meinung zu sagen. Ich wünschte, Leute, egal ob Freunde oder nur entfernte Bekannte, würden es nicht gleich persönlich nehmen, wenn man ihnen die Wahrheit sagen würde. Ehrlich sein, die Wahrheit sagen, das hat nichts mit Beleidigen zu tun. Ich meine damit, dass, wenn jemand um ein Feedback wünscht, dass man wirklich seine ehrliche Meinung sagen dürfte, ohne, dass sich der Kritisierte gleich angegriffen fühlt. Ich wünschte, man würde auch zu mir ganz ehrlich sein. Oft sehe ich Leute und ich merkte, dass ihnen was auf der Zunge brennt, dass sie mir gerne was sagen würden, das aber auf Grund sozial vereinbarter Richtlinien nicht tun. Dabei würde es mir ja vielleicht helfen? Wie soll man denn reflektiert durch die Welt gehen, wenn man sich nirgendwo ehrlich spiegeln kann und immer nur eine verschönigte Meinung mit verkniffenem Gesicht bekommt, wenn man um Ehrliches bittet? Dass die wahre Meinung dann hintenrum als Lästern durch die Welt geschickt wird, ist klar. Aber anstatt sich immerzu das Maul zu zerreißen, wäre Klartext angebracht. Was bringt es meiner Kommilitonin im Drehbuchkurs, wenn man zu ihrem grottenschlechten und sogar für GZSZ zu unrealistischen Exposé positives sagt? Sollten da nicht eher die Karten auf den Tisch gelegt werden, damit nicht noch mehr Zeit und Energie in diesen literarischen Müllhaufen gesteckt wird? Vielleicht trifft das ja auch auf mich zu, vielleicht merke ich nicht, dass ich nicht das Zeug zum szenischen Schreiben habe. Ja dann möchte ich das gerne erfahren, bzw wissen, was nicht stimmt, damit ich gezielt daran arbeiten kann. Aber eher hört die Welt auf sich zu drehen, als dass diese Leute genug Eier in der Hose haben, um zu verstehen, dass sie vielleicht nicht das sind, was sie sich wünschen zu sein. Aber vielleicht irre ich mich auch, vielleicht ist es einfach viel pädagogischer, einer 25 Jährigen Honig ums Maul zu schmieren.