Browsing Tag

Film Review

Film

Filmreview: Captain America 2: The Winter Soldier

15. August 2014

Eins vorab: In Captain America 2: The Winter Soldier geht es nicht um den namensgebenden Winter Soldier. Stattdessen, ohne allzuviel spoilern zu wollen, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass CA2 vielmehr wie die Verfilmug eines knackig-verschwörerischen John Grisham Romans anmutet. Denn im neuesten Abenteuer des treudoof dreinblickenden Oldtimers Steve Rogers, dreht sich alles um die Unterwanderung des Amerikanischen Weltüberwachungsapparats S.H.I.E.L.D..

Nach einigen militärischen Operationen bei denen ominöse Daten und USB Sticks brutal ihren Besitzer wechseln beginnt es Captn zu dämmern, dass S.H.I.E.L.D. nicht unbedingt das Wohlergehen der USA anstrebt. Spätenstens nachdem sogar sein Chef Nick „Jules Winnfield“ Fury in einer spektakulären Verfolgsjagd von Terroristen angegriffen wird, verweigert CA die Zusammenarbeit mit dem ihm vorstehenden US-Vertreter des World Security Councils der arg nach Robert Redford aussieht und versucht der Ursache der Vorkommnisse auf den Grund zu gehen. Nebenbei werden auch 3 neue Helicarrier von S.H.I.E.L.D. initialisiert, die dem internationalen World Security Council das Potenzial geben, über eine Million Menschen pro Minute (!?!) per Mausklick aus der Luft mit präzisen Sniper-Railguns zu töten.

Angesichts solchen totalitären Kontrollwahns seitens S.H.I.E.L.D.s und des Councils (zu dem eine Art Angela Merkel angehört), versucht CA zusammen mit Black Widow aka Natascha Smirnoff und dem allzeit zu Schandtaten bereiten Falcon!? den Drahtziehern hinter den Attentaten auf Ihn, die USB Sticks und seinen Chef auf die Schliche zu kommen und die Welt vor der Totalüberwachung zu bewahren. Achja, und zum Schluss kämpft er ungefähr 3 Minuten lang gegen den Winter Soldier, der rein gar nichts mit der Handlung zu tun hat und eher das Prequel des nächsten Captain America 3 Filmes bildet. Deswegen heißt der Film wohl in der deutschen Fassung auch „Captain America 2: The return of the first avenger“…

Die resultierende Verschwörung, Totalüberwachung und die überraschend USA atypische unpatriotische Grundstimmung lassen den Marvel Film überraschend seriös und weniger comichaft als gedacht daherkommen. (Ok, bis auf den zweiten Afroamerikaner im Film der Flügel-Jet-Packs hat.) In bester „The Man Who Knew Too Much“ oder „Syriana“ Manier liefert Marvel einen sehr soliden und jederzeit spannenden Action-Thriller ab, der in den besten Momenten mit feinester CGI Animation und durchchoreographierten Kämpfen unterhält und den Schwachen krampfhaft versucht seinen Comic-Wurzeln treu zu bleiben. Das gelingt natürlich aufgrund der verschiedenen Formate von Comic und Film nicht immer, sodass manche Characktere zu einfach flach und aufgesetzt daherkommen (Dr. Zola, Bucky, Falcon anyone?!). Insgesamt würde ich den Film zu den besseren Marvelkreationen zählen, auch wenn CA als Figur und Methapher wohl nicht unbedingt zu den beliebtesten Actionhelden gehört, nicht das Charisma von Iron-Man hat oder lässige X-Mutationen vorweisen kann. Er ist einfach ein ehrlicher, treuer, simpler Typ – der innnerhalb von 10 Sekunden inmittten eines Aufzugs, gefesselt alle 20 muskelbepackten Spezialagenten eliminieren kann ohne seine Frisur zu zerstören. Captain America Fuck Yeah!

Wertung: ✭✭✭✭✭

 

Film

Filmreview: 22 Jump Street

8. August 2014

Endlich kam auch in Deutschland die langersehnte Fortsetzung von 21 Jump Street in die Kinos. Dabei geht es wie im ersten Teil des Remakes der Fernsehserie von 1987 um die beiden Polizeiagenten Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum). Diese werden in dieser Episode als Erstsemestler verkleidet auf die Uni geschickt, um dort der geheimnisvollen Drogen WhyPhy (Work hard yes, play hard yes) auf die Spur zu kommen, der immer mehr Studenten verfallen und die bereits die ersten Todesopfer forderte. Im College sind die beiden Knalltüten mindestens genauso deplatziert wie im letzten Film auf der Highschool, jetzt müssen sie jedoch auch erkennen, was die Universität mit Schulfreunden macht und dass sie sich immer weiter von einander entfernen. Mit genialen Gags und witzigen Sprüchen gehen sie in der Uni auf Entdeckungstour, erfinden sich neu und versuchen gleichzeitig ebenfalls, den Dealer von WhyPhy ausfindig und Dingfest zu machen.

Das Interessante an diesem Film ist nicht nur das Gelingen einer witzigen Fortsetzung oder die großartige Chemie zwischen Jonah Hill und Channing Tatum, sondern auch, dass der Film sich selbst, das Genre und Fortsetzungsfilme im Allgemeinen auf die Schippe nimmt. Ständig werden Filme wie „Springbreakers“ durch den Kakao gezogen und persifliert. Ebenfalls gibt es Seitenschläge darauf, wie schlecht Fortsetzungen grundsätzlich sind. Das Ensemble aus Hill, Tatum und Ice Cube ist eine Wucht und die sich daraus ergebenen Situationen und Gags wirklich genial. Leider gelingt der Balanceakt aus Selbstironie und diegetischer Ernsthaftigkeit nicht immer. Die Bromance zwischen Hill und Tatum war zuweilen  zu übertrieben dargestellt und verlor durch die krampfhafte Suche nach Pointen häufig an Spaßigkeit. Davon abgesehen ist 22 Jump Street ähnlich wie der erste Teil wirklich witzig und ein spaßiger Film, der wahrscheinlich den Humor vieler Menschen trifft. Wer sich schon bei 21 Jump Street vor Lachen kaum halten kann, wird auch bei diesem Film auf seine Kosten kommen.

Wertung: ✭✭✭✭✰

Film

Filmreview: Trainspotting

1. August 2014

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des schottischen Autors Irvine Welsh und spielt in Edinburgh der späten 80er – frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Hauptcharakter Mark (Ewan McGregor) erzählt die Geschichte von sich und seinen Freunden, die alle Heroinabhängig sind und ihr Leben mit Drogennehmen und Beschaffungskriminalität verbringen. Mark hat, wie alle seine Freunde, schon circa 1000 Mal versucht, clean zu werden, doch längerfristig gelingt es ihm nie. Nicht einmal dann, als er und sein Freund Stud (Ewen Bremmer) wegen Raub vor Gericht stehen und sein Kumpel ins Gefängnis muss. Erst als seine Eltern ihn in seinem Zimmer einsperren, erlebt er den Cold Turkey und bekommt sein Leben wieder auf die Reihe. Schließlich geht er auf Rat seiner On-und-Off-Liebhaberin Diane (Kelly McDonald) nach London, um, wie sie es sagt, einen Perspektivwechsel zu bekommen. Dort arbeitet Mark, frei vom Drogen, als Immobilienmakler, bis zwei seiner Freunde auftauchen und er mit seinem früheren Leben konfrontiert wird. Richtig heikel wird es, als die drei zu der Beerdigung eines gemeinsamen Freundes zurück nach Schottland gehen und dort in einen Heroindeal hineingeraten. Als Kuriere machen sie sich erneut in die englische Hauptstadt und geraten dort an die Grenzen ihrer Freundschaft.

Trainspotting zeigt plastisch und ehrlich, wie Drogen wie Heroin Menschen zerstören und Unschuldige töten, die gar nichts mit der Sucht ihrer Verwandten zu tun haben. Mit schottischem Akzent, der so dick wie Haggis ist und den man kaum versteht, zeigt der Film kommentar- und vorbehaltslos, wie eine Gruppe Jugendlicher an Drogen kaputtgeht. Obwohl mich der Film nicht so verstört hat wie zum Beispiel „Requiem for a Dream,“ hinterlässt er ein trauriges Resumee an menschlicher Verwahrlosung und jugendlicher Unsicherheit. Besonders Ewan McGregors unglaubliche Performance ist ein Grund dafür, wieso Trainspotting zum Kultfilm wurde. Sein glasiger, trauriger Blick und sein abgemagerter Körper machen ihn nicht nur zum Anti-Helden, sondern auch zu einem überzeugenden Drogensüchtigen. Der Film ist ein Memorandum, ohne an Drogen- oder Exzess-Klischees zu ersticken. Vielleicht ist Trainspotting kein Film, den man bei einem lustigen Filmabend schaut , aber durch die graue, schmutzige, realistische Welt, die er porträtiert wird Trainspotting zu einem der besten Fime der 1990er Jahre.

Wertung: ✭✭✭✭✰

Film

Film Review: Die Haut in der ich wohne

25. Juli 2014

Endlich habe ich mich getraut, den Film „Die Haut, in der ich wohne“ von Pedro Almodovar zu sehen. Als er 2011 in die Kinos kam habe ich gerade in London gelebt und eine Freundin dort erzählte mir, dass sie den Film gesehen und nun so verstört sei, dass sie nachts nicht schlafen könne. Abgeschreckt von solchen Äußerungen sollten fast 3 Jahre vergehen, bis ich den Film letztlich sah. Und ich muss sagen: ihre Warnung war gerechtfertigt.

Der Film handelt von dem Chirurg Robert (Antonio Banderas), dem es gelungen ist, menschliche Haut zu replizieren und transplantieren. Diese Haut transplantiert er der jungen Frau Vera (Elena Anaya), die, so glaubt man, aufgrund einer üblen Hautverbrennung zu ihm in Behandung kam. Wie durch Rückblenden deutlich wird, hat Robert selbst seine Frau bei einem Autounfall verloren, bei dem sie so stark verbrannte, dass, als sie sich danach im Spiegel sah, aus lauter Abscheu vor dem entstellten Aussehen aus dem Fenster stürzte. Ebenfalls in Rückblenden wird das Schicksal von Roberts Tochter erzählt, die den Selbstmord ihrer Mutter miterlebte und seit dem in psychischer Behandlung war. Auf einer Hochzeit wird sie von einem jungen Mann namens Vincente (Jan Cornet) vergewaltigt und ist so davon traumatisiert, dass ihre alte Psychose wieder vortritt und sie bis zu ihrem eigenen Selbstmord in einer psychiatrischen Anstalt in einem Schockzustand verbringt. Mit diesem Hintergrundwissen und Roberts Rache an dem Mann, der ihm seine Tochter entriss, werden wir wieder in die Gegenwart katapultiert. Der Film macht in diesem Augenblick eine Wendung um 180° und macht deutlich, dass Robert nicht der lebensrettende Arzt ist, für den wir ihn gehalten haben. Im Gegenteil.

Mehr kann man über den Film nicht sagen, ohne den großen Twist am Ende zu verraten. Das käme sonst einem „Bruce Willis spielt einen Toten bei ‚The Sixth Sense'“ gleich. Ich kann jedoch sagen, dass der Film mich unglaublich verstört hat. Ich schätze Almodovars Filme sehr und habe auch im Filmwissenschaftsstudium gerne Filme/Seminarteile zu ihm verfolgt. Dieser Film sprengt jede Kuriosität und sexuelle Perversion, die man aus seinen anderen Filmen kennt. Im Stil von David Lynch überschreitet er Grenzen von Menschlichkeit, die zartbeseelten Zuschauern sicherlich Gänsehaut bereitet. Der Film ist unglaublich gut und trotz des verstörenden Inhalts die ganzen 120 Minuten sehenswert. Ein Muss für alle, die Fans von Psychothrillern sind und jene, die sich abseits von Saw, Human Centipede und Co. mit menschlichen Abgründen befassen möchten.

Wertung: ✭✭✭✭✰

Film

Filmreview: Transcendence (SPOILER)

18. Juli 2014

Dr. Will Caster (Johnny Depp) ist einer der besten und erfolgreichsten Forscher im Gebiet der künstlichen Intelligenz. Zusammen mit anderen Forschern ist es ihm gelungen, einen Supercomputer zu bauen, der eine Bandbreite menschlicher Emotionen fühlen und darstellen kann. Diese Entwicklung machte ihn zwar berühmt und zum Redner auf vielen Konferenzen, jedoch wurde er im gleichen Atemzug auch zum Feindbild für Anti-Technologie-Extremisten. Bei einem Attentat wird er lebensgefährlich verwundet. Seine Frau Evelyn (Rebecca Hall) und sein Freund Max (Paul Bettany), die ebenfalls an seinen Experimenten beteiligt sind, versuchen bis zu Wills Tod seinen Supercomputer so zu programmieren, dass sie Wills Gehirn in die Maschine und ins Internet hochladen können. Es gelingt und so schwirrt Will als omnipräsente Kraft im Internet herum. Ohne gestoppt werden zu können baut er sich mit Hilfe seiner Frau immer mehrere intelligente Maschinen, um, wie er es ausdrückt, er Menschheit mit seinem Fortschritt zu helfen. Dass er sich zum Alleinherrscher katapultiert und die Möglichkeiten, ihn aufzuhalten, immer geringer werden, bringt Evelyn und das Team um sie und Will in immer brenzligere Situationen.

Obwohl Transcendence ähnlich wie der Film „her“ (meine Filmkritik ist hier nachzulesen) das Thema intelligente Maschinen und Körperlichkeit im Zuge der Digitalisierung behandelt, hat Transcendence signifikant weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Das ist auf den ersten Blick unverständlich, da der Film ein spannendes Thema aufgreift und damit auch eine Urangst der Menschen (man erinnere sich an den Film Matrix, der in einer Post-Transcendence-Welt spielt, wie man so will) trifft. Der Grund, wieso Transcendence jedoch von jeglicher Oscar-Nominierung oder öffentlicher Lobpreisung unversehrt bliebt, liegt an der konzeptlosen und uninspirierten Geschichte. Die Wissenschaft, die in dem Film Verwendung fand, ist so unglaubwürdig, dass sie auch für einen Sci-Fi-Film keinen Sinn macht. Der faszinierende Aspekt des technischen Fortschritts wurde in eine Negativ-Ego-Nummer verwandelt. Auch hat Will scheinbar keinerlei Gegenspieler. Sein ungebremster Siegeszug wird nur von seiner frustrierten Frau unterbrochen. Und auch sonst setzt sich der Film nicht mit den Möglichkeiten eines solchen Supercomputers sowie den Möglichkeiten und Gefahren auseinander, sondern benutzt ihn nur als Prämisse für eine dramatische Liebesgeschichte, die ohne künstliche Intelligenz zu banal gewesen wäre. Max und die Anti-Technologie-Extremisten sind lachhafte, nicht ernstzunehmende Gegenspieler, die außer geheimen Treffen und Auswertungen irgendwelcher Karten nichts zu tun scheinen. Auch der Rest der Welt ist gänzlich untätig und träge gegen eine solche Supermacht. Und auch wenn sie das nicht wäre, als Zuschauer bekäme man davon wenig mit, da der Film außer Will und Evelyn keine weiteren Charaktere für wichtig genug erachtet, um ihnen auch nur fünf Minuten Filmzeit zu widmen. Der Film verschenkt einen interessanten Ansatz und spannende Zukunftsfanasien, da er viel zu sehr damit beschäftigt ist, eine langweilige Liebesgeschichte zu konstruieren.

Wertung:

Film

Film Review: Snowpiercer

11. Juli 2014

Der Film Snowpiercer basiert auf dem französischen Bande Dessinée Le Transperceneige und spielt in einer postapokalyptischen Welt, in der die Erde mit Eis überzogen ist. Die wenigen Menschen,  die den Einbruch dieser zweiten Eiszeit überlebt haben, verbringen ihr ganzes Leben in einem Schnellzug, stetig um die ganze Welt im Kreis fährt. Für eine Umrundung braucht er genau ein Jahr. Die im Zug lebenden Menschen sind in zwei Klassen aufgeteilt: die Armen, die im hinteren Ende des Zugs zusammengepfercht Leben und Proteinblöcke zu Essen bekommen sowie die Reichen, die in unbekanntem Luxus leben.  Die Armen werden unterdrückt, misshandelt, drangsaliert und jegliches Missverhalten wird mit drakonischen Strafen wie Armabhacken bestraft. Eines Nachts planen Curtis, sein Kumpel Willford und der inoffizieller Anführer Gilliam einen Aufstand, mit dem sie sich nach Vorne zu den Reichen durchkämpfen, um eine Revolution zu starten. Je näher sie an die Spitze des Zugs kommen, umso deutlicher wird, dass das Perpetuum mobile, welches den Zug zum stetigen Fahren bringt, nicht nur aus einer Maschine, sondern auch aus den Wechselwirkungen der Klassenungleichheiten besteht.

Snowpiercer ist ein dunkler, düsterer und beklemmender Film. Die Geschichte und das postapokalyptische Setting sind spannend erzählt und in sich stimmig. Zu keinem Zeitpunkt hat man beim Schauen des Films hat man die Überzeugung, dass der Plan der Helden aufgehen wird. Tod, Leben, Verzweiflung, Sieg, Niederlage – All das reiht sich so schnell an einander, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, wer wen eigentlich besiegt hat. Das Ende lässt mehr Fragen offen, als beantwortet werden und es wird nicht deutlich, ob es sich um ein Happy End oder eine Tragödie handelt. Die psychische und physische Gewalt, die der Film ausstrahlt ist in Verbindung mit den starren und ungleichen Klassengesellschaften eine fast erdrückende Kombination. Nichts für sanfte Gemüter ist Snowpiercer eine marxistische Alptraum-Phantasie, die zwar für die Geschichte zugespitzt und übertrieben dargestellt ist, in abgeschwächter und abstrahierter Form jedoch auch auf gegenwäritge Lebensverhältnisse anzuwenden ist.

Wertung:

Film

Film Review: A Million Ways To Die In The West

27. Juni 2014

Da mein Freund ein großer Fan von Family Guy und co ist und er und ich uns damals den Film „Ted“ angeschaut haben, entschieden wir uns dazu, auch „A Million Ways To Die In The West“ zu sehen. Der Film ist ebenfalls aus Seth MacFarlanes Feder und hat neben ihm auch Hollywoodgrößen wie Liam Neeson, Charlize Theron,  Neil Patrick Harris, Amanda Seyfried, Giovanni Ribisi und Sarah Silverman als Schauspieler gecastet. Der Film ist gleichsam eine Hommage und eine Veralberung des Western Genres und nimmt so ziemlich alles auf die Schippe, was das Genre ausmacht. Zum Plot des Films lässt sich wenig sagen, da er nicht übermäßig vorhanden ist. Der Film lebt, wie viele von MacFarlanes Kreation, vor allem durch Dialog. Was bei 20minütigen Family-Guy-Folgen noch unterhaltend und abwechslungsreich ist, wirkt jedoch im fast zweistündigen Film überzogen und langweilig. Die Charaktere hangeln sich von einem langen Dialog zum anderen, werfen mit Pointen um sich und nebenbei fallen wie im Cartoon Eisblöcke auf Menschen und Pferde fallen wie Dominosteine um. MacFarlane mag ein überdurchschnittlicher Sprecher sein, seine schauspielerischen Fähigkeiten halten sich jedoch in Grenzen.

Leider ist der Humor auf Scary-Movie-Niveau und bedient von Fäkalhumor, graphischer Gewalt bis hin zu billiger Slapstick jedes Klischee. Es gibt eine Hand voll wirklich witziger Szenen und genial durchdachte Gags, nur leider schießen die meisten anderen über das Ziel hinaus. Der Film ist eine Mischung aus „Der Schuh des Manitu“ und „Scary Movie“ und der Zuschauer wartet nach jedem lahmen Spruch auf ein „Badam Bum Tss“. Die Idee, den Wilden Westen von einer neuen, humoristischen Seite zu betrachten ist originell und witzig, nur leider passt weder MacFarlanes Drehbuch-Können, noch ein Repertoire an Witzen zum Film-Genre.

Wertung:

Film

Film Review: her

20. Juni 2014

Der Film „her“ von Spike Jonze spielt in der nahen Zukunft in Los Angeles, in der die Menschen aussehen wie in den 1970er Jahren und schon so eng mit Computern und Technik verbunden sind, dass sie mit wahren menschlichen Interaktion immer mehr Schwierigkeiten bekommen. Der Film erzählt die Geschichte von Theodore (Joaquin Phoenix), der nach seiner Scheidung zu einem einsamen, von sozialen Kontakten abgeschnittenen Menschen mutiert. Als er sich das neue Betriebssystem OS1 kauft, welches durch eine menschliche Stimme namens Samantha (Scarlett Johansson) geführt und operiert wird, beginnt er sich zuerst mit ihr anzufreunden und sich schließlich in sie zu verlieben. Für einige ist Theodores Beziehung zu einem Computer ein Zeichen von Geisteskrankheit, für Theodore selbst ist es die absolute Bestimmung. Die beiden erleben viele Hochs und Tiefs, arrangieren sich mit ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten und durchleben Krisen wie sie auch menschliche Paare erleben würden. Schließlich müssen sie sich eingestehen, dass der eine sich zu sehr weiter- und wegentwickelt hat und von ihrer anfänglichen Gemeinsamkeit nicht mehr viel übrig bleibt.

Ich muss gestehen, dass mich der Film auf der eine Seite sehr beeindruckt und zum Nachdenken gebracht hat, auf der anderen Seite jedoch über alles Maßen verstörend war. Die Stille und Intimität des Films wirkt in dem Kontext fast schon unangenehm. Trotzdem lässt er einen über Vieles nachdenken: über Ein- und Zweisamkeit, über postmoderne Körperlichkeit, über Technologie und Maschinen sowie unser sich veränderndes Sozialverhalten im Zuge der Digitalisierung. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie menschliche Emotionen in der Zukunft aussehen könnten und wie wenig sie sich geändert, sondern nur verschoben haben. Der Wunsch nach einer menschlichen Beziehung zu einem Computer ist etwas, was mich gleichzeitig fasziniert und irritiert. Menschliche Komplexität wird durch den technischen Fortschritt nicht erleichtert; im Gegenteil, sie wird nur auf eine andere Metaebene geschoben. Der Film „her“ ist ein verstörendes Meisterstück, welches den Zuschauer nicht nur aufgrund von Joaquin Phoenix‘ Schauspielkunst an den Bildschirm fesselt. Er ist auch eine verstörende Spieglung unserer Selbst und dessen, was wir noch zu bekommen mögen.

Wertung:

Film

Film Review: Blue Jasmine

13. Juni 2014

Woody Allens neuster Film „Blue Jasmine“ begleitet Jasmine (Cate Blanchett), eine ehemals reiche New Yorkerin, die ihren Reichtum, ihr Ansehen und ihre Familie verliert, nachdem ihr Ehemann wegen krummen Geschäften und der Veruntreuung von Geldern ins Gefängnis wandert. Arm und mittellos fliegt sie zu ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins) nach San Francisco. Ginger ist das komplette Gegenteil von Jasmine: sie ist bodenständig, arbeitet als Kassiererin und ist nach Jasmines Meinung immer nur mit Verlierern zusammen. Der Film wird auf zwei Metaebenen erzählt: zum einen Jasmines Vergangenheit in New York und wie sie immer mehr über die Affairen ihres Mannes erfährt; und zum anderen ihr neues Leben bei ihrer Schwester sowie ihr Unvermögen auf eigenen Beinen zu stehen und ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Durch die wechselnden Zeitebenen werden die Hintergründe der Geschichte immer weiter beleuchtet und geben Aufschluss über Jasmines Verhalten in der Gegenwart. Jasmine hat ein Alkoholproblem, nimmt verschreibungspflichtige Medikamente in rauen Mengen ein und spricht lautstark mit sich selbst in der Öffentlichkeit.

Das Leben von Jasmine scheint wieder aufwärts zu gehen, als sie den reichen Politiker Dwight (Peter Sarsgaard) kennen und lieben lernt. Ihr Glück wird jedoch zerstört, als er von ihrer Vergangenheit erfährt. Von dort an verliert sie den letzten Halt im Leben und gibt sich immer mehr ihren Neurosen hin.

Anders als sonst überzeugt Allen mit seinem neusten Film nicht mit einer Komödie. Im Gegenteil, „Blue Jasmine“ ist eine bitterböse Tragödie. Abgesehen von Allens großartigem Drehbuch, ist besonders Cate Blanchetts überdurchschnittliche Darstellung zu erwähnen. Der Oscar für die beste weibliche Hauptrolle ist nicht nur 100%ig verdient, ich bin sogar der Meinung, dass es ihre beste Rolle überhaupt war. Bei ihr ist wirklich alles auf dem Punkt: ihre Gestik, Mimik, der porträtierte Wahnsinn – einfach alles. „Blue Jasmine“ ist nach schwachen Allen-Komödien der beste Film seit Langem, wenn nicht sogar einer seiner besten Filme überhaupt. Der Film hat das Gesamtpaket: Allens berühmte Neurosen, tragische Zusammenhänge, Konflikte, starke Frauencharaktere, ein brillantes Drehbuch und geniale Dialoge sowie eine atemberaubende Hauptdarstellerin.

Wertung:

Film

Film Review. Dallas Buyers Club

6. Juni 2014

Der Oscarprämierte Film „Dallas Buyers Club“ erzählt die wahre Geschichte von Ron Woodroof (Matthew McConaughey), der sich 1985 mit HIV ansteckt und laut seiner Ärzte nur noch 30 Tage zu Leben hat. Nachdem sich Rons gesundheitlicher Zustand nach der Einnahme des Medikaments AZT verschlechtert, beginnt er alternative, in den USA nicht zugelassene Medikamente von Mexiko nach Texas zu schmuggeln. Dort verteilt er mit seinem ebenfalls an der Krankheit leidenden Kumpel Rayon die Medikamente an andere HIV-Infizierte. Rayon (Jaret Leto) ist ein Transvestit, den Ron während eines Krankenhausaufenthalts kennenlernte. Obwohl Ron in großem Maße homophob ist, freundet er sich schließlich mit Rayon an.

Als die Gesundheitsbehörde auf die illegalen Aktivitäten des Duos aufmerksam wird, gründen Ron und Rayon kurzerhand den Dallas Buyer Club – ein Verein, in dem Mitglieder gegen eine Mitgliedsgebühr kostenlos Medikamente bekommen. So machen sie sich nicht wegen des Verkaufs von illegalen Medikamenten strafbar und können gleichzeitig weiteren HIV-Infizierten helfen.

Der Film ist stark biopolitisch und erzählt das Leben und Sterben des Ron Woodroofs und seiner Freunde. Dabei nimmt er gleichzeitig die Thematik der HIV/AIDS-Epidemie der 1980er Jahre mit samt den Vorurteilen und Diskriminierungen auf. Obwohl der Film für sich allein genommen viele langatmige Szenen hat und wenig nur Spannung oder geschichtliche Wendungen die Story kennzeichnen, ist der Film aufgrund der unglaublichen Darstellungen von Leto und McConaughey absolut sehenswert. McConaughey als magerer Wüterich, dessen breiter texanischer Akzent kaum zu verstehen ist, ist überdurchschnittlich; und auch Leto nimmt man die Rolle als drogensüchtigen Transvestit zu 100 % ab. Jede Bewegung, jedes Wort und jede Betonung Letos ist so perfekt, dass man sich nicht vorstellen kann, dass er außerhalb dieses Films ein ganz anderes Dasein hat. Beide Oscar-Gewinne sind absolut gerechtfertigt und im Vergleich zu DiCaprios Perfomance in „Wolf of Wallstreet“ mehr als einleuchtend.

Wertung: