Browsing Tag

Film Review

Film

Film Review: Snatch – Schweine und Diamanten (2000)

13. Februar 2015
snatch
snatch

Quelle: slantmagazine.com

Diese englische Komödie von Guy Ritchie aus dem Jahr 2000 besteht aus drei Handlungssträngen und mehreren (Klein)Kriminellen, deren Wege sich im Laufe des Films kreuzen und überschlagen. So dreht sich ein Drittel um Gauner Turkey (Jason Stratham) und seinen Kumpel Tommy (Stephen Graham), die illegale Boxkämpfe arrangieren und von dem irischen Pavee Mickey (Brad Pitt) – alias One Punch Mickey – beim Wohnwagenkauf über’s Ohr gehauen werden. Als ihr Standard-Boxer Gorgeous George (Adam Fogerty) überraschend ausfällt, heuern sie kurzerhand Mickey als Ersatz an. Das Problem ist jedoch, dass Mickey sich nicht an die Abmachung, in der ersten Runde KO zu gehen, hält und den Kampf gewinnt. Dadurch fallen sie in die Ungnade von Gangsterboss Brick Top (Alan Ford), der durch die verpatzte Wette mehrere Millionen verloren hat.

Gleichzeitig hat einige Tage zuvor Franky „Four Fingers“ (Benicio del Toro) in den Niederlanden für den New Yorker Juwelier Avi Denovitz (Dennis Farhina) einen 86-karätigen Diamanten gestohlen. Bei einem Zwischenstopp bei Avis Cousin Doug „the Head“ (Mike Reid) wird Franky jedoch von der russischen Mafia gelinkt. Boris „The Blade“ (Rade Serbezjia) bezahlt die schwarzen Gelegenheitskriminellen und Leihhausbesitzer Sol (Lennie James) und Vince (Robbie Gee), Franky den Diamanten wieder abzuluchsen. Der ganze Coup soll während des illegalen Boxkampfes steigen. Natürlich geht der Plan schief und so jagen die verschiedenen Gangster nun einander, alle mit der Absicht, den wertvollen Diamanten zu stehlen.

Letztlich frisst Vinces neuer Pitbull, der ein Geschenk der Pavees war, den Diamanten und rennt davon. Dieser fällt dann durch einen Zufall in die Hände von Turkey und Tommy, die ihn zum Tierarzt bringen. Dieser findet im Magen des Tiers den Diamanten, welchen die beiden wiederum an Avi in New York verkaufen.

Obwohl „Snatch“ vor fast 15 Jahren erschien, ist er immer noch eine der besten Gangsterfilm-Komödien der letzten Zeit. Die verschiedenen absonderlichen Figuren, die sich wechselnden Episoden sowie die kessen Dialoge, machen „Snatch“ zu einem absoluten Kultfilm. Der makabre und schwarze Humor, den man von Guy Ritchie bereits in „Bube, Dame, König, grAs“ kennen lernte, kommt auch hier wieder zum Einsatz. Der Film ist absolut Englisch und urkomisch und Brad Pitts unverständlicher Pavee-Akzent großartig. Es ist meisterhaft, dass Ritchie es trotz des schnellen Tempos des Films und der vielen Charaktere schafft, den Zuschauer niemals zu überfordern. Im Gegenteil, je mehr Personen auftauchen und je verzwickter die Verstrickungen werden, umso spannender wird der Film.

Wertung:

Film

Film Review: Tropic Thunder

6. Februar 2015
tropic thunder
tropic thunder

Quelle: Amazon.com

Ich habe leider im Januar wenig Zeit gehabt, ins Kino zu gehen und neue Filme zu schauen. Daher reviewe ich einfach ein paar ältere Filme. Für mein persönliches Filmjournal, sozusagen. Tropic Thunder ist eine Actionkomödie aus dem Jahr 2008, bei dem Ben Stiller Regie führte, mitproduzierte und auch noch die Hauptrolle spielt. Er schlüpft in die Rolle von Tugg Speedmann, ein abgehalfterter Actionstar, der mit dem Film „Tropic Thunder“ sich zurück in die erste Liga der Hollywood-Schauspieler katapultieren möchte. Dazu gehen er und seine Schauspielkollegen Kirk Lazarus (Robert Downey Jr), der Rapper Alpa Chino (Brandon T Jackson), Kevin Sandursky (Jay Baruchel) und der berühmte Komiker Jeff Portnoy (Jack Black) in den vietnamesischen Dschungel, um dort an der Verfilmung der Lebensgeschichte eines Vietnamkriegsveteranen zu arbeiten. Da die Dreharbeiten nur schleppend vorankommen, schickt der Regisseur seine Hauptdarsteller kurzerhand in die Untiefen des Dschungels, um sie dort fast lebensechten Gefahren auszusetzen und das Ganze dann mit versteckten Kameras zu filmen. Dadurch, so glaubt er, wirkt der Film letztendlich realistischer. Als er dann ausversehen auf eine Blindgänger-Granate tritt und vor den Augen der Schauspieler in die Luft gesprengt wird, glauben die noch an realistische Special Effects und machen sich freudig ins vietnamesische Hinterland. Sich sicher während, trotzen sie allen Gefahren. Erst als sie von vietnamesischen Drogenschmugglern gefangengenommen werden, merken sie, dass sie sich doch in wirklicher Gefahr befinden. Die Rettungsaktion mit vereinten Kräften bringt sie schließlich zurück in die Heimat.

Tropic Thunder ist eine Persiflage auf die unzähligen Action-Filme, die uns Jahr für Jahr überschütten. Dabei nehmen sie die absurden Storys, die übertriebenen Dialoge und protzigen Superstars auf’s Korn, die sonst solche Filme zu dem machen, was sie sind. Das gelingt wunderbar – nicht nur aufgrund der Topbesetzung (auch mit dabei: Matthew Mc Conaughey, Tom Cruise und Bill Hader), sondern auch, da witzige Dialoge und komische Slapstick sich abwechseln. Zwar wirkt der Film besonders zu Beginn etwas langatmig, die Action und die „Ticking Clock“-Situation zum Schluss machen das jedoch wieder wett. Tropic Thunder ist ein witziger Film  und geeignet für alle, die auf Film-Persiflagen stehen und sich auf eine leichte, lustige Story einlassen möchten.

Wertung:

Film

Film Review: The Interview (SPOILER)

30. Januar 2015
The-INterview-poster
The-INterview-poster

Quelle: usatoday.com

Die US-Amerikanische Slapstick-Komödie hat schon vor der Erscheinung für mächtigen Wirbel gesorgt. Da der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un in diesem Film gehörig auf’s Korn genommen wird, kam es zu politischen Kontroversen und Drohungen, weswegen Sony den Film kurzfristig aus dem Programm nahm. Einige Kinos entschieden sich schließlich jedoch trotzdem dafür den Film zu zeigen und so wurde „The Interview“ schließlich zu einem Protestfilm gegen politische Zensur. Nun ist er auf Netflix und in Deutschland auch Anfang Februar 2015 in den Kinos.

Seth Rogen und James Franco – Das unschlagbare Comedy-Duo aus früheren Filmen wie „The Pineapple Express“ oder „This is the end“ sind zurück und mindestens genauso schräg wie eh und je! In „The Interview“ schlüpfen sie in die Rollen von Showmaster Dave Skylark (Franco) und seinem Produzenten Aaron Rapaport (Rogen). Zusammen produzieren sie die erfolgreiche Klatsch-Und-Tratsch-Sendung Skylark Tonight, in der sie Prominente interviewen und die neusten Gerüchte der Reichen und Schönen besprechen. Nach einer Riesenenthüllung um Rapper Eminem finden die beiden schließlich heraus, dass niemand anderes als Kim Jong-Un großer Fan der Sendung und zu einem Interview mit Dave bereit ist. Dazu sollen sie nach Nordkorea reisen. Gesagt getan – jedoch werden sie vorher von der CIA dazu beauftragt, Kim umzubringen. Als eine Mischung aus Mordkomplott und Interviewcrew reisen die beiden Amerikaner schließlich in die Höhle des Löwen. Jedoch geht der von der CIA minutiös geplanter Mordversuch nicht auf und die beiden verstricken sich in viele brenzlige Situationen. Gleichzeitig freundet sich Dave immer mehr mit dem nordkoreanischen Staatsoberhaupt an und lernt ihn von seiner menschlichen Seite kennen. Zusammen fahren sie Panzer, spielen Basketball, trinken Margaritas und turteln mit nordkoreanischen Schönheiten. Aaron, der Kims Umgarnung als einen rein taktischen Zug hält, damit Dave ihn bei seinem Interview positiv darstellt, wird zusehends besorgt um seinen Freund. Dieser will von Aarons Befürchtungen jedoch nichts wissen und wittert Neid auf der Seite seines Produzenten. Erst als eine von Kims treusten Mitarbeitern das Lager wechselt, bekommt auch bei Dave die Begeisterung für den Diktator immer mehr Risse.

Der Film ist ein absoluter Comedy-Knaller. Die Witze sind super komisch und tiefschichtig und die Dynamik zwischen Seth Rogen und James Franco ist großartig. Es ist wirklich nicht einfach, ein so ernstes Thema und einen so kontrovers disskutierten Politiker, wie Kim Jong-Un einer ist, in eine so urkomsiche und überaus alberne Sache zu verwandeln. Dabei werden alle auf’s Korn genommen: Kim Jong-Un, die Amerikaner, die TV-Branche, Eminem, die CIA und vor allem natürlich Franco und Rogen selbst. Keiner wird verschont und das ist genau das, was „The Interview“ ausmacht. Der Film ist von der ersten bis zur letzten Sekunde pure Comedy und dabei wahrscheinlich einer der besten Filme, die Seth Rogen und Evan Goldberg je produziert haben.

Wertung:

Film

Film Review: Precious – Das Leben ist kostbar

16. Januar 2015
precious_
precious_

Quelle: imdb.com

Claireece Johnes (Gabourey Sidibe), genannt Precious, hat es nicht einfach. Die 16-Jährige lebt zusammen mit ihrer Mutter, die sie physisch und psychisch traktiert sowie mit ihrem Stiefvater, der sie seit ihrer Kindheit sexuell Missbraucht und von dem sie bereits ihr zweites Kind erwartet, in Harlem. Die Familie ist von Armut gezeichnet – Mutter Mary (Mo’Nique) ist arbeitslos, bekommt Sozialhilfe und holt zu Hausbesuchen der Sozialamtmitarbeiter extra Precious‘ kleine Tochter „Mongo“ (benannt nach ihrem Down-Syndrom) zu ihr, um mehr Geld zu kassieren. Sonst wohnt die Kleine bei Precious‘ Großmutter. Aus Angst vor der Gewalt ihrer Mutter lügt Precious auch ihre eigne Sozialarbeiterin Ms Weiss (Mariah Carrey) an.

Precious‘ Leben voller Gewalt und Hass ändert sich jedoch, als ihre zweite Schwangerschaft öffentlich gemacht wird und sie deshalb in die alternative Schule „Each One Teach One“ transferiert wird. Dort lernt die sie, gestützt und angefeuert von ihrer Lehrerin Miss Rain (Paula Patton) lesen und schreiben und gewinnt das erste Mal in ihrem Leben Selbstschätzung und Anerkennung. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes kommt es jedoch zum Eklat mit ihrer Mutter, die Precious vorwirft, ihr ihren Mann ausgespannt zu haben und als Strafe das drei Tage alte Kind auf den Boden wirft und den Fernseher nach der fliehenden Precious wirft. Precious kommt daraufhin zuerst bei Miss Rain und dann in einem Halfwayhouse unter. Als der Stiefvater schließlich an AIDS stirbt, lässt auch Precious sich testen und muss unter Tränen feststellen, dass auch sie Trägerin des HI-Virus ist.

Der Film endet mit einer Konfrontation zwischen Precious und ihrer Mutter im Beisein von Ms Weiss (die vorher von Precious‘ brutaler Vergangenheit unterrichtet wurde). Mary berichtet, dass ihr Hass auf Precious davon stamme, dass sie (Precious) ihr „den Mann ausgespannt habe“. Der Stiefvater, der sich schon an Precious verging, als diese drei Jahr alt war, solle „nur sie (Mary) lieben und nicht Precious“. Aus Wut und Trauer aufgrund des sexuellen Interesses ihres Partners an ihrer Tochter hat die Mutter schließlich ihre Eifersucht und Minderheitskomplexe an Precious ausgelassen. Daraufhin verlässt Precious mit ihren beiden Kindern das Sozialamt mit den Worten, dass sie ihre Mutter niemals wiedersehen werde.

Der Film „Precious“ ist ein unglaublich trauriger und niederschmetternder Film über eine sozialschwache Familie voller Gewalt und Hass im Ghetto von New York am Ende der 1980er Jahre. Die dargestellte Realität ist genauso brutal wie ehrlich und hat nichts mit der fröhlichen Konsumgesellschaft zutun, die sonst im Fokus von Hollywood-Filmen steht. Ohne zu kommentieren oder etwas zu beschönigen zeigt der Film Precious‘ Verwandlung und aufkommenden Lebensdurst. Sehr positiv dabei ist, dass das Sozialdrama dabei nicht in eine American-Dream-Schablone gedrückt wird, sondern den angepeilten Realismus beibehält. Ebenfalls ist besonders die großartige Performance von Mo’Nique herauszustellen, die für ihre Rolle einen Oscar verdient gewonnen hat.  „Precious“ ist ein Muss für Freunde von realistischen Sozialdramen à la Ken Loach oder Andrea Arnold.

Wertung:

Film

Filmreview: Männertrip

9. Januar 2015
Männertrip
Männertrip

Quelle: Google Images

Die US-amerikanische Komödie „Männertrip“ aus dem Jahr 2010 stammt zur Hälfte aus der Feder von „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel und erzählt die Geschichte von Aaron Green (Jonah Hill), der für eine berühmte Plattenfirma in LA arbeitet. Sein Boss Sergio (Sean Combs) weist ihn eines Tages an, die von der Wirtschaftskrise betroffene und schwächelnde Firma zu retten, indem er nach London reist, um den für seine Exzesse und Eskapaden bekannten Sänger Aldous Snow (Russel Brand) zuerst zu einem Interview nach New York und dann nach LA zu begleiten. In der Stadt der Engel soll der Musiker dann einen legendären Auftritt hinlegen und so die kläglichen Einnahmen der Plattenfirma wieder nach oben schießen lassen. Der Trip von London in die Vereinigten Staaten erweist sich jedoch als holpriger, als der unbekümmerte Amerikaner zuerst angenommen hat. Zum einen, weil Snow trotz jeglicher Einwände massenhaft Drogen konsumiert und auch Aaron Green nicht davon verschont bleibt und zum anderen, weil die beiden in immer verzwicktere und brenzligere Situationen kommen.

„Männertrip“ ist ein urkomischer Film, der ohne Frage in einer Liga mit Filmen wie „Hangover“ mitspielt. Russel Brands Porträt eines selbstsüchtigen Rockstars ist treffsicher und Jonah Hill wie so oft einfach nur genial. Die beiden ergeben ein dynamisches und von Slapstick-gepflastertes Duo und auch Sean Combs alias P.Diddy ist überraschend witzig. Was den Film von vielen anderen, schlechten Komödien unterscheidet, ist, dass er trotz der verrückten Vorkommnisse und Szenen stets die Balance zur Realität hält. Nicht ein Mal hat man das Gefühl, der Komikaspekt würde die Glaubwürdigkeit der dargestellten Welt durchbrechen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass zündende Gags und flotte Sprüche sich mit Satire und viel Selbstironie abwechseln. „Männertrip“ ist ein gelungener Film und für jeden zu empfehlen, der sich bei Komödien wie „Hangover“ oder „21 Jump Street“ zu Hause fühlt.

Wertung:

Film

Film Review: The Artist

19. Dezember 2014
the_artist_poster
the_artist_poster

Quelle: http://theartist-derfilm.de/

Als der Film „The Artist“ 2011 in die Kinos kam, habe ich gerade in London gelebt und konnte es nicht über’s Herz bringen, 9 Pfund für einen Kinobesuch auszugeben. Besonders deswegen, da ich viele gemischte Reviews gelesen habe. Die einen fanden den Film super, Bekannte von meinem Freund sind aus dem Kino gegangen, weil sie es kaum aushalten konnten. Jetzt, drei Jahre später, ist der Film auf Netflix und so habe ich ihn mir angesehen.

„The Artist“ spielt Ende der 1920er, Anfang der 1930er-Jahre und erzählt die Hochs und Tiefs in den Karrieren zweier Schauspieler am Übergang vom Stumm- zum Tonfilm in Hollywood. Das Interessante ist, dass der Film auf sämtlichen Metaebenen als Hommage an die Stummfilmzeit zu sehen ist. „The Artist“ ist in schwarz-weiß und 4:3-Format gedreht worden und anstatt Dialogen wird die Story anhand von Zwischentiteln vorangetrieben. Auch sonst bedient sich „The Artist“ cineastisch aus der Trickkiste des Stummfilmzeitalters: Die starren Kameraeinstellungen in entweder Totale, Halbtotale oder Amerikanisch sowie die überdramatische Gestik und Mimik erinnern an Filme aus vergangenen Epochen.

Die Hauptperson des Films ist der Schauspieler George Valentin (Jean Dujardin), der mit seinem Hund Jack seit vielen Jahren den Hollywood-Traum verkörpert. Jeder neue Spielfilm will ihn als Hauptdarsteller und die Damen liegen ihm zu Füßen. Als er bei einer Premiere durch Zufall mit der jungen Peppy Miller (Bérénice Bejo) abgelichtet wird, beginnt auch sie, die Karriereleiter des Showbusiness hochzusteigen. Vieles ändert sich jedoch mit der Einführung des Tonfilms. Stummfilme und ihre alten Darsteller haben ausgedient und das Publikum sehnt sich nach frischen Gesichtern. Peppy scheint am Zenit ihrer Hollywoodkarriere angekommen zu sein, während George zu stolz ist, sich auf das neue Medium einzulassen. Verarmt und allein wird er fast Opfer eines Brandes, als Peppy ihn zu sich nimmt und sie gemeinsam einen Tanzfilm machen, in dem er nicht sprechen muss.

„The Artist“ ist auf jeden Fall ein Film für Liebhaber des alten Kinos. Der Film hat, wie auch die Originale aus den 1920er Jahren, weder eine atemberaubende Geschichte, noch herausragende Darsteller, sondern lebt allein vom Medium selbst. Die Ästhetik des Stummfilms wurde eins zu eins für „The Artist“ übernommen und in der Hinsicht sehr gut gelungen. Leider ist meiner Meinung nach die alleinige Rückbesinnung an vorherige Kinotage heutzutage nicht ausreichend. Die in den 20ern aus limitierten Darstellungsmöglichkeiten entstandenen Bedingungen für Kinofilme sind nicht auf cineastische Nostalgie, sondern die Limitierung des Mediums zurückzuführen. Eine moderne Interpretation, wie sie „The Artist“ macht, hätte eine weitere Metaebene zu einem Meisterstück machen können. Bis zum Schluss hofft der Zuschauer auf eine Epiphanie à la Charlie Chaplins „Modern Times“, doch sie bleibt aus. Regisseur Michel Hazanavicius ruht sich auf seiner Idee, einen modernen Stummfilm zu machen, zu sehr aus. Übergänge von Stumm- zu Tonfilm oder von schwarz-weiß zu Farbfilm sowie ein Ausflug George Valentins in das heute von Schnelligkeit und CGI geschärfte Kino hätte „The Artist“ etwas Selbstreflektierendes und Einzigartiges gegeben.  Leider wird diese Chance verpasst und so bleibt „The Artist“ allein als moderner Stummfilm in Erinnerung.

Wertung:

Film

Film Review: Midnight in Paris

12. Dezember 2014
midnightinparis
midnightinparis

Quelle: imdb.com

Der Film „Midnight in Paris“ von Woody Allen ist eine romantische Komödie aus dem Jahr 2011 mit Owen Wilson in der Hauptrolle. Der Film begleitet den Drehbuchautor Gil Pender (Wilson) und seine Verlobte Inez (Rachel McAdams) nach Paris, wo die beiden mit Inez‘ Eltern ein paar Tage verbringen. Schnell wird deutlich, dass Gil und Inez wenig gemein haben. Er ist Nostalgiker und würde am liebsten im Europa der 1920er Jahre leben und sie wiederum liebt den Hollywood-Lifestyle der Reichen und Schönen und kann sich ein Leben außerhalb der USA nicht vorstellen. Als sie dann auch noch auf Inez‘ alten Bekannten Paul (Michael Sheen) und dessen Frau Carol (Nina Arianda) treffen und Inez ganz angetan ist von Pauls pseudointellektuellem Geschwafel, scheinen alle außer dem Paar selbst zu verstehen, dass sie nicht zueinander passen.

Während eines nächtlichen Spaziergangs wird Gil an einer Straßenecke von den Fahrgästen eines altmodischen Autos dazu aufgefordert, mit ihnen auf eine Party zu gehen. Er willigt ein und findet sich schließlich auf einer 1920er Party wieder. Zuerst noch an eine lustige Motto-Party denkend, wird Gil nach einiger Zeit bewusst, dass er einen Zeitsprung gemacht hat und sich tatsächlich im Paris der 1920er Jahre befindet. Von seinen Gefühlen überwältigt, spricht er mit Scott und Zelda Fitzgerald, Ernest Hemingway und später mit Gertrude Stein und Pablo Picasso. Wieder zurück in der Gegenwart entfremdet er sich zusehends von seiner Verlobten. Sein einziges Bestreben ist es von dort an, zurück in die Vergangenheit zu reisen. Nacht für Nacht gelingt es ihm und so bändelt er mit Adriana (Marion Cotillard) an, einer Geliebten von Picasso. Sie ist ebenfalls nostalgisch veranlagt und sehnt sich nach der Belle Époque. Gil wird klar, dass sich die Menschen jeder Epoche nach der Vergangenheit sehnen und die Gegenwart als unglamourös bezeichnen. Wieder zurück in der Vergangenheit beschließt Gil, sich den Problemen der Gegenwart zu stellen und mit sich und seinen Gefühlen reinen Tisch zu machen.

Der Film hat mich im großen Maß beeindruckt und berührt. Wilson als Allen-Persona überzeugt trotz des offensichtlichen Bruchs. Die Philosophie und Nostalgie, die dieser Film ausstrahlt, sind feinfühlig und trotzdem tiefgründig genug, um nicht nur an der Oberfläche zu kratzen. Das Großartige an Allens Filmen ist der unterschwellige Humor gepaart mit treffsicheren Charakterbeobachtungen. Die Charaktere sprechen nicht, sie handeln und genau daraus ergibt sich der Realitätsanspruch, den seine Filme auszeichnet. Allen spielt mit Klischees und kulturellen Ansprüchen, die jedoch sofort wieder eliminiert werden. Midnight in Paris ist eine großartige Charakterstudie gepaart mit Allens typischen Humor und einer großen Portion Nostalgie und Romantik, der garantiert jedes Herz berührt.

Wertung:

Film

Film Review: Fargo

28. November 2014
Fargo-poster
Fargo-poster

http://www.ntsang.net

Jerry Lundegaard (William H Macy) braucht dringend Geld, kann es aber nicht von der vermögenden Familie seiner Frau leihen und greift deshalb zu drastischen Mitteln: Er heuert die Ganoven Carl Showalter (Steve Buscemi) und Gaear Grimsrud (Peter Stormare) an, seine Frau zu entführen und so Lösegeld von seinem Schwiegervater zu erpressen. Der Plan scheint aufzugehen, die Entführung geht planmäßig vonstatten und Lundegaards Schwiegervater ist bereit, die geforderten eine Millionen Dollar zu bezahlen. Leider geraten die Entführer Carl und Gaear bei einer Routinekontrolle der Polizei in eine missliche Lage, erschießen den Polizisten und zwei Zeugen und rufen so die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson (Frances McDormand) auf den Plan, die sich des Falls annimmt und so den Tätern auf die Spur gelangt.

Ich habe schon viele Filme der Coen Brothers gesehen und wurde in letzter Zeit schon häufiger von ihnen enttäuscht, deshalb bin ich unglaublich froh, dass „Fargo“ wirklich das Meisterwerk ist, für welches es immer angepriesen wird. Sei es die Shakespeare-ähnliche Herangehensweise an Drama und menschliches Versagen, der subtile Humor oder die großartigen und kontrastreichen Kameraeinstellungen: Fargo hat es alles. Der Genremix funktioniert hier nahtlos und ohne Stolpersteine und besonders die Dialoge und der authentische Minnesota-Akzent machen den Film zu etwas Besonderem. Die freundliche, höfliche Sprache der Einwohner der kleinen Städtchen („Minnesota nice“) reibt sich wundervoll mit der Aggressivität und den schlechten Manieren der beiden Gangster. Auch schafft Fargo es, durch gekonnte Schnitte und die Gegenüberstellung von weißen Schneelandschaften und dunkler Natur die in den Dialogen und Charakteren angedeuteten Gegensätze visuell in Szene zu setzen. Fargo ist ohne Zweifel ein Meisterstück des modernen Kinos und ein zeitloser Klassiker, der aufgrund der genuinen Figuren auch noch in 50 Jahren die Menschen begeistern wird.

Wertung: 

Film

Film Review: Hancock (SPOILER)

21. November 2014
hancock
hancock

Wieso hat Will Smith den ganzen Film über Duck Lips?

Superheldenfilme sind eine feine Sache und besonders für Regisseure interessant, da man das Thema in so gut wie allen Genres platzieren könnte. Ob Komödie, Sci-Fi, Action oder Thriller, Superhelden sind vielseitig einsetzbar und unterschiedlich interpretierbar und so kann ein und derselbe Stoff in unterschiedlichen Genres ein ganz unterschiedliches Bild zeichnen. Ich wusste ungefähr, worum es in Hancock ging, da der Film bekanntermaßen schon einige Jahre auf dem Buckel hat und ich einige Leute kenne, die den Film als ihren „absoluten Lieblingsfilm“ angeben.

Hancock, so heißt der Superheld der von Will Smith gespielt wird. Anders als Superman, Batman und Co hat Hancock jedoch einen sehr schlechten Ruf. Er ist ungehobelt, ungepflegt, versoffen und richtet mehr Schaden an, als er Menschen in Not hilft. Durch einen Zufall läuft er in die Arme des PR-Beraters Ray (Jason Bateman), der ihm zu einem besseren Image verhelfen will. Der Plan geht auf, Aggressionsbewältigungstherapien und Alkoholentzüge sind erfolgreich und Hancock erlebt seine eigene Rückkehr als Superheld und Publikumsliebling. Der zweite Teil des Films verlässt jedoch die anfängliche Genre-Parodie und macht Platz für eine mystische Geschichte voller unsterblicher Engel mit Superkräften, Seelenverwandten und gegensätzlicher Pole, die, wenn sie zusammengeführt werden, großes Unheil anrichten.

Der Film Hancock hat mich wirklich enttäuscht. Aufgrund der guten Kritiken hatte ich meine Abneigung vor Will-Smith-Filmen abgelegt und muss als Fazit leider sagen, dass das ein Fehler war. Der Film hätte großes Potenzial gehabt – Die Geschichte eines unbeliebten Superhelden, der seinen weichen Kern findet und zum Schluss durch eine dramatische Rettung wieder zum Held der Stunde (haha) wird, wäre interessant und spannend. Leider passiert Hancocks Verwandlung vom Joker zu Batman in ungefähr 5 Minuten und ist unglaublich unwahrscheinlich. Alles, was man tun musste, um Hancock zu einem besseren Menschen zu machen, ist ihm zu sagen, dass er nicht so unhöflich sein und nicht so viel kaputt machen soll? Das ist der große Schalter, der bei ihm umgelegt werden musste? Der an den Haaren herbeigezogene zweite Teil des Films ist sogar noch unerträglicher, wahrscheinlich aufgrund der Genre-Wechseleien, die wortwörtlich alle 2 Minuten passieren. Die mystischen Elemente sind eine lahme Entschuldigung dafür, dass dem Film noch eine tragische Liebesgeschichte fehlte und es hätte nicht absurder und langweiliger gelöst werden können. Je mehr Filmzeit vergeht, umso seltsamer wird die Geschichte und das Ende lässt der Film einen als verwirrten, genervten und gelangweilten Zuschauer zurück.

Wertung:

Film

Film Review: Oxford Murders

14. November 2014
oxford-murders
oxford-murders

Quelle: Amazon.com

Oxford Murders ist ein Thriller aus dem Jahr 2008 mit Elijah Wood in der Hauptrolle. In dem Film geht es um den amerikanischen Mathematikstudenten Martin (Wood), der in Oxford bei dem bekannten Professor Seldom (John Hurt) promivieren möchte. Sowohl Martins, als auch Professor Seldoms Spezialgebiet ist die Logik, jedoch stellt sich schon bei ihrem ersten Gespräch heraus, dass beide vollkommen unterschiedlicher Meinung sind, was Themen wie Wahrheit, Wissen und Logik betrifft. Trotzdem finden sie eines Morgens zufällig eine Leiche und da ihr Ableben mit mysteriösen Zeichen und logischen Rätseln in Verbindung gebracht wird, macht sich das ungleiche Duo auf, diesen Rätseln auf den Grund zu gehen. Je tiefer sie graben, umso deutlicher wird, dass sich des Rätsels Lösung in der Philosophie und Mathematik befindet. Ein Katz- und Mausspiel beginnt, bei dem der Mörder immer einen Schritt voraus zu sein scheint.

Der ganze Film hat trotz der großartigen Kulisse einen Dan-Brown-Touch. Wie in „Illuminati“ folgen unsere Helden mysteriösen Spuren und mathematischen Rätseln, diese sind jedoch dabei ähnlich an den Haaren herbei gezogen wie Dan Browns Geschichten. Das jedoch ist genau der Schwachpunkt des Films – Das Stichwort „an den Haaren herbei gezogen“. Die Erklärungen und Auflösungen der Rätsel sind schwachsinnig und so sehr durch unzusammenhängende Zufälle verbunden, dass eine vorherige Planung des Mörders auszuschließen ist. Ohne viel von dem „Twist“ verraten zu wollen, so clever und durchdacht die ganze Schnitzeljagt auch ist, umso enttäuschender ist – wie auch schon bei „Illuminati“ – die schwache Auflösung des Coups. Ebenfalls störend sind die Hauptcharaktere, die zwar aufgrund ihrer persönlichen Abneigung zueinander unglaublich viel Reibung erzeugen, jedoch wie in Stein gemeißelte Klötze wirken, die sich persönlich und zwischenmenschlich nicht nur einen Millimeter bewegen. Ebenfalls fragwürdig ist die Rolle der heißblütigen Krankenschwester Lorna (Leonor Watling), die einzig und allein für Nacktszenen eingesetzt wird und nicht mal als „Love Interest“ für Martin genug hergibt, um ihr eine ernstzunehmende Funktion zu geben. Der Film hat viele sehr gute und interessante Ansätze und auch das Setting des Films überzeugt. Leider sind die Rätsel nicht zu Ende gedacht und die Charaktere hölzern, weswegen „Oxford Murders“ nicht den Erfolg hatte, den er haben könnte. Leider konnten auch die sonst stets fabelhaften Schauspieler das langweilige und trockene Drehbuch und die trägen Dialoge nicht retten.

Wertung: