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Film Review: Hancock (SPOILER)

21. November 2014
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Wieso hat Will Smith den ganzen Film über Duck Lips?

Superheldenfilme sind eine feine Sache und besonders für Regisseure interessant, da man das Thema in so gut wie allen Genres platzieren könnte. Ob Komödie, Sci-Fi, Action oder Thriller, Superhelden sind vielseitig einsetzbar und unterschiedlich interpretierbar und so kann ein und derselbe Stoff in unterschiedlichen Genres ein ganz unterschiedliches Bild zeichnen. Ich wusste ungefähr, worum es in Hancock ging, da der Film bekanntermaßen schon einige Jahre auf dem Buckel hat und ich einige Leute kenne, die den Film als ihren „absoluten Lieblingsfilm“ angeben.

Hancock, so heißt der Superheld der von Will Smith gespielt wird. Anders als Superman, Batman und Co hat Hancock jedoch einen sehr schlechten Ruf. Er ist ungehobelt, ungepflegt, versoffen und richtet mehr Schaden an, als er Menschen in Not hilft. Durch einen Zufall läuft er in die Arme des PR-Beraters Ray (Jason Bateman), der ihm zu einem besseren Image verhelfen will. Der Plan geht auf, Aggressionsbewältigungstherapien und Alkoholentzüge sind erfolgreich und Hancock erlebt seine eigene Rückkehr als Superheld und Publikumsliebling. Der zweite Teil des Films verlässt jedoch die anfängliche Genre-Parodie und macht Platz für eine mystische Geschichte voller unsterblicher Engel mit Superkräften, Seelenverwandten und gegensätzlicher Pole, die, wenn sie zusammengeführt werden, großes Unheil anrichten.

Der Film Hancock hat mich wirklich enttäuscht. Aufgrund der guten Kritiken hatte ich meine Abneigung vor Will-Smith-Filmen abgelegt und muss als Fazit leider sagen, dass das ein Fehler war. Der Film hätte großes Potenzial gehabt – Die Geschichte eines unbeliebten Superhelden, der seinen weichen Kern findet und zum Schluss durch eine dramatische Rettung wieder zum Held der Stunde (haha) wird, wäre interessant und spannend. Leider passiert Hancocks Verwandlung vom Joker zu Batman in ungefähr 5 Minuten und ist unglaublich unwahrscheinlich. Alles, was man tun musste, um Hancock zu einem besseren Menschen zu machen, ist ihm zu sagen, dass er nicht so unhöflich sein und nicht so viel kaputt machen soll? Das ist der große Schalter, der bei ihm umgelegt werden musste? Der an den Haaren herbeigezogene zweite Teil des Films ist sogar noch unerträglicher, wahrscheinlich aufgrund der Genre-Wechseleien, die wortwörtlich alle 2 Minuten passieren. Die mystischen Elemente sind eine lahme Entschuldigung dafür, dass dem Film noch eine tragische Liebesgeschichte fehlte und es hätte nicht absurder und langweiliger gelöst werden können. Je mehr Filmzeit vergeht, umso seltsamer wird die Geschichte und das Ende lässt der Film einen als verwirrten, genervten und gelangweilten Zuschauer zurück.

Wertung:

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Film Review: Oxford Murders

14. November 2014
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Quelle: Amazon.com

Oxford Murders ist ein Thriller aus dem Jahr 2008 mit Elijah Wood in der Hauptrolle. In dem Film geht es um den amerikanischen Mathematikstudenten Martin (Wood), der in Oxford bei dem bekannten Professor Seldom (John Hurt) promivieren möchte. Sowohl Martins, als auch Professor Seldoms Spezialgebiet ist die Logik, jedoch stellt sich schon bei ihrem ersten Gespräch heraus, dass beide vollkommen unterschiedlicher Meinung sind, was Themen wie Wahrheit, Wissen und Logik betrifft. Trotzdem finden sie eines Morgens zufällig eine Leiche und da ihr Ableben mit mysteriösen Zeichen und logischen Rätseln in Verbindung gebracht wird, macht sich das ungleiche Duo auf, diesen Rätseln auf den Grund zu gehen. Je tiefer sie graben, umso deutlicher wird, dass sich des Rätsels Lösung in der Philosophie und Mathematik befindet. Ein Katz- und Mausspiel beginnt, bei dem der Mörder immer einen Schritt voraus zu sein scheint.

Der ganze Film hat trotz der großartigen Kulisse einen Dan-Brown-Touch. Wie in „Illuminati“ folgen unsere Helden mysteriösen Spuren und mathematischen Rätseln, diese sind jedoch dabei ähnlich an den Haaren herbei gezogen wie Dan Browns Geschichten. Das jedoch ist genau der Schwachpunkt des Films – Das Stichwort „an den Haaren herbei gezogen“. Die Erklärungen und Auflösungen der Rätsel sind schwachsinnig und so sehr durch unzusammenhängende Zufälle verbunden, dass eine vorherige Planung des Mörders auszuschließen ist. Ohne viel von dem „Twist“ verraten zu wollen, so clever und durchdacht die ganze Schnitzeljagt auch ist, umso enttäuschender ist – wie auch schon bei „Illuminati“ – die schwache Auflösung des Coups. Ebenfalls störend sind die Hauptcharaktere, die zwar aufgrund ihrer persönlichen Abneigung zueinander unglaublich viel Reibung erzeugen, jedoch wie in Stein gemeißelte Klötze wirken, die sich persönlich und zwischenmenschlich nicht nur einen Millimeter bewegen. Ebenfalls fragwürdig ist die Rolle der heißblütigen Krankenschwester Lorna (Leonor Watling), die einzig und allein für Nacktszenen eingesetzt wird und nicht mal als „Love Interest“ für Martin genug hergibt, um ihr eine ernstzunehmende Funktion zu geben. Der Film hat viele sehr gute und interessante Ansätze und auch das Setting des Films überzeugt. Leider sind die Rätsel nicht zu Ende gedacht und die Charaktere hölzern, weswegen „Oxford Murders“ nicht den Erfolg hatte, den er haben könnte. Leider konnten auch die sonst stets fabelhaften Schauspieler das langweilige und trockene Drehbuch und die trägen Dialoge nicht retten.

Wertung: 

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Film Review: Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin

7. November 2014
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Quelle: http://filmschatzsucher.files.wordpress.com

Dieser Film wurde mir von Netflix vorgeschlagen, da ich die Serie „Gossip Girl“ mit 5 Sternen bewertete. Da „Gossip Girl“ in meiner Top 5 der besten Serien ist, wollte ich dem Film also eine Chance geben. „Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin“ erzählt die Geschichte von Rebecca Bloomwood (Isla Fisher), die als Journalistin in einem Gartenmagazin arbeitet und ihre ganze Freizeit und ihr ganzes Geld dem Shopping widmet. Rebecca ist kaufsüchtig und hat ihre zahlreichen Kreditkarten schon so lange überzogen, dass Schuldeneintreiber hinter ihr her sind. Neben einem neuen Kleid von Henri Bendel wünscht sie sich nichts sehnlicher, als für das Modemagazin Alette zu schreiben. Als ihr der Job vor der Nase weggeschnappt wird, versucht sie über Umwege an ihr Ziel zu gelangen und landet schließlich einen Job in einem Wirtschaftsmagazin, welches direkt unter Alette sitzt. Dort schreibt sie, von der Welt der Finanzen zuerst überfordert, eine Kolumne unter dem Alias „Frau mit dem grünen Schal“ und schafft es, komplexe, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich darzustellen – Ein Zustand, der ihr etwas Ruhm und Anerkennung bereitet. Gleichzeitig bändelt sie mit ihrem Vorgesetzten Luke Brandon (Hugh Dancy) an. Natürlich holen Rebecca ihr Schuldenberg und ihre unkontrollierte Kaufsucht wieder ein und sie verprellt alle, die ihr nahe stehen. Schafft sie es, ihr Shopaholic-Dasein in den Griff zu kriegen und sich mit denen zu versöhnen, die sie liebt? Sein wir mal ehrlich…natürlich tut sie das. Es ist eine romantische Komödie aus Hollywood, ein Happy End ist schließlich Programm.

„Shopaholic“ ist eine auf Slapstick-Einlagen basierende romantische Komödie wie es sie zu Hauf in Hollywood gibt. Das Märchen des Mode-Püppchens, welches durch den zuerst distanzierten, dann herzlichen Mann ihre wahren Talente außerhalb ihrer „Komfort-Zone“ erkennt, ist ebenso alt wie das Hollywood-Zeichen selbst. Obwohl der Film nach dem bekannten Schema verfährt, gelingt es Isla Fisher, der Hauptcharakterin eine individuelle Note an Sympathie und Charme einzuhauchen. Auch die Kaufsucht als Kompensation für innere Leere wird überraschend tiefgründig behandelt. Natürlich ist „Shopaholic“ einfach gestrickt und vorhersehbar, jedoch ist er für das Genre erfrischend und lädt an einigen Stellen wirklich zum lauten Lachen ein. Zwar reicht der Film in keinem Maße an die Serie „Gossip Girl“ heran, ist jedoch ein gute Film für verregnete Sonntage oder Mädchenabende mit Karamell-Popcorn.

Wertung:

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Film Review: Hocus Pocus

31. Oktober 2014
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Quelle: http://365thingsaustin.com

Heute ist Halloween in Amerika und wie jedes Franchise, welches vom Atlantik zu uns schwappt, erfuhr auch Halloween eine Quasi-Anerkennung in der Alten Welt. Man sieht auch bei uns vereinzelnd Kinder „Süßes, sonst gibt’s Saures“ durch die Straßen rufen und in netten Kostümen herumlaufen und Clubs nutzen die Chance, mit überteuerten Motto-Partys den Trend monetär abzuschöpfen. Was liegt da also näher, als an diesem Tag einen Halloween-Film in einer Filmkritik abzuhandeln? Ich entschied mich für einen absoluten Klassiker, der bei keiner Party fehlen sollte und den auch Angsthasen wie ich und Kinder problemlos anschauen können: Hocus Pocus.

Der Film transportiert uns in das Jahr 1693, in dem die drei Hexenschwestern Winifred (Bette Midler), Sarah (Sarah Jessica Parker) und Mary (Kathy Majimy) Sanderson in einem Hexenhaus in Salem leben, Kinder entführen und ihren Geist aussaugen, um jung zu bleiben. Als sie eines Tages die kleine Schwester von Thackery Binx (Sean Murray – bekannt als „McGee“ von NCIS) entführen, stört er ihr Ritual und hetzt das Dorf auf sie. Die Schwestern verhexen Binx in eine schwarze Katze und verfluchen ihn damit, ewig leben zu müssen. Sie selbst werden gehängt – Jedoch nicht bevor sie die Möglichkeit ihrer Wiederkehr durch das Entzünden einer schwarzen Kerze in ihrem Hexenhaus festlegen. 300 Jahre in der Zukunft zündet Max (Omri Katz) im Beisein seiner Schwester Dani (Thora Birch) und Schwarm Alison (Vinessa Shaw) in der Halloweennacht schließlich diese schwarze Kerze im Hexenhaus an, um beweisen zu können, dass die Legenden von Damals nichts mit der Realität zu tun haben. Dabei bannt er den 300 Jahre alten Zauber und die drei Hexenschwestern erblicken wieder das Licht der Erde. Von da an beginnt ein erbittertes Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Parteien, da die Hexen nur die Nacht haben, um den Geist eines Kindes auszusaugen und am Leben zu bleiben – andernfalls zerfallen sie bei Tagesanbruch zu Staub; Max und seine Freunde versuchen dies zu verhindern, besonders, weil das Hexentrio Dani zum Aussaugen auserwählt haben.

Hocus Pocus ist das Halloween-Pendant zu „Kevin Allein Zuhaus“: Der Film ist ebenfalls aus den frühen 1990er-Jahren, die Frisuren und Klamotten schreien „Aaron Carter“ und er ist harmlos und witzig genug, um als Familienklassiker zu gelten. Für Kinder spannend und für Erwachsene mit genügend schlüpfrigen Anspielungen gespickt, sorgt er für gute Unterhaltung. Einzig die hölzern vorgetragenen Dialoge zeigen, dass auch die Stars von heute mal klein angefangen haben. Hocus Pocus ist eine nette Alternative zu den sonstigen Halloween-Filmen und für alle Nostalgiker einer vermeintlich besseren Zeit ein absolutes Muss. Auch wenn die Geschichte an manchen Stellen uninspiriert und vorhersehbar ist, sind Midler, Parker und Majimy als verrückte Hexen absolut großartig und sehenswert.

Wertung:

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Film Review: Shaun of the Dead

24. Oktober 2014
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Quelle: d2nh4f9cbhlobh.cloudfront.net

Letzte Woche lag ich mit einer nervigen Erkältung im Bett und habe deshalb die Komödien-Abteilung von Netflix etwas genauer unter die Lupe genommen, um dem Bazillenspuk mit etwas Lachen den Garaus zu machen. Ich entschied mich letztlich für Shaun of the Dead, ein Klassiker von 2004, der mir bis dato immer zwischen den Fingern entglitten ist.

Shaun of the Dead ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine Parodie auf Dawn of the Dead – ein Zombie-Klassiker von 1978. Der Film spielt in England und erzählt die Geschichte von Shaun (Simon Pegg), einem 29 Jahre alten Nichtsnutz, der von seinen jüngeren Kollegen auf der Arbeit nicht respektiert wird und dem seine Freundin Liz (Kate Ashfield) nur Vorwürfe macht, da er immerzu mit seinem Kumpel Ed (Nick Frost) im Pub ist und sich betrinkt. Als Liz sich schließlich von Shaun trennt, schlurft er traurig und allein durch die Straßen oder spielt mit Ed Playstation. Gleichzeitig bricht die Zombieapokalypse über London hinein – ein Zustand, dessen Shaun und Ed sich erst gar nicht bewusst sind, da sie so festgefahren in ihrem zombiehaften Alltag stecken, dass sie das seltsame Verhalten der anderen erst gar nicht bemerken. Es müssen erst zwei tollwütige Zombies an die Fensterscheibe klopfen, bis die beiden kurzerhand losstürzen und mit Liz, ihren Mitbewohnern, Shauns Mutter Barbara (Penelope Wilton) und Stiefvater Philip (Bill Nighy) fliehen. Sie kommen jedoch nicht weit und verstecken sich schließlich in Shauns und Eds Stammpub und warten darauf, die Zombieherden mit vereinten Kräften zu besiegen.

Shaun of the Dead ist ein Meisterstück des britischen Humors. Alles daran, von der ersten bis zur letzten Szene ist mit dem typischen, trockenen Humor durchzogen. Man kann den Witz nicht reproduzieren oder nacherzählen, weil er offenkundig gar nicht existiert, sondern durch sein unterschwelliges Nicht-Da-Sein hervorkommt. Britischer Humor ist wie Essigchips, entweder man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Ich für meinen Teil finde ihn klasse (Essigchips sowieso) und habe wirklich Tränen gelacht. Shaun of the Dead ist für jeden Fan von trockenem Humor à la Monty Python ein absolutes Muss.

Wertung:

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Film Review: Bad Boys II

17. Oktober 2014
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Quelle: new-video.de

Bad Boys II ist einer der Lieblingsfilme meines Freundes; er hat den Film sicherlich schon mindestens 20 Mal gesehen und da ich ihn bis dato noch kein einziges Mal gesehen hatte, haben wir das im Handumdrehen geändert. Überraschenderweise ist der Filme von 2003 ganze 141 Minuten, also zweieinhalb Stunden, lang. Zu lang für eine Fortsetzung eines Films, der vor allem aufgrund der ungleichen Beziehung der Hauptfiguren lustig ist? Wir werden sehen.

In Bad Boys II treffen wir erneut auf die beiden Detectives Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Bernett (Martin Lawrence), die die Spezialeinheit der Polizei von Miami Beach ganz schön durcheinander bringen. Undercover an einer Drogenmission involviert, liefern sie sich halsbrecherische Verfolungsjagden mit den Baronen der Unterwelt und zerstören dabei so viele Autos und Straßen, dass ihr Boss ihnen beinahe die Kündigung auf den Tisch wirft. Auch ist die Freundschaft der beiden Detectives angeschlagen. Marcus möchte aus dem gefährlichen Business aussteigen, weiß aber nicht, wie er es seinem Kumpel sagen soll; und auch Mike hält seine Liebe zu Marcus‘ Schwester geheim. Trotz der schwierigen Beziehung der beiden Bad Boys müssen sie die Ermittlung abschließen und die Drogenbosse unschädlich machen. Dabei gerät auch Marcus‘ Schwester immer mehr in die Fänge der Bösewichte und muss zum Schluss mit geballter Kraft gerettet werden.

Schaut man sich den Film Bad Boys II an, fällt auf, dass die Handlung einzig dafür gedacht ist, die vielen Action-Szenen zu verbinden. Denn genau das macht der Film: er hangelt sich von einer Verfolgungsjagt zur anderen und schiebt zwischendurch noch ein paar Explosionen und Massenkarambolagen ein. Es gibt zwar einige witzige Szenen und Momente, jedoch ist der Fokus ganz klar auf Action gelegt worden. Michael Bay legt sich dafür ganz schön ins Zeug und präsentiert immer mal wieder interessante Kameraperspektiven und Szeneneinstellungen, die man sonst aus solchen Filmen nicht gewohnt ist. Trotzdem ist die Geschichte für 2,5 Stunden viel zu wenig und der Gewaltexzess wird auf Dauer anstrengend. Trotz der handwerklich interessanten Filmproduktion, hätte man die letzte Stunde getrost weglassen können.

Wertung:

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Film Review: Only Lovers left Alive

10. Oktober 2014
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Quelle: fontsinuse.com

Oh ja, Jim Jarmusch… seine Filme haben mich im Filmwissenschaftsstudium schon gequält und auch jetzt, vier Jahre danach, kann ich mich nicht mit diesem Regisseur anfreunden. Für mich ist Jarmusch synonym für alle Hipster dieser Welt. Er ist sogar das, was mit Hipstertum im wörtlichen Sinne gemeint ist, weil er das alles, was jetzt von bärtigen, Fixie bike fahrenden Apple-Jüngern als Avant-Garde bezeichnet wird, schon vor 30 Jahren gemacht hat. Jim Jarmuschs Filme sind so besonders, dass sie keiner herkömmlichen Filmkritik untergeordnet werden können. Die Struktur – Oder gar, das Fehlen dieser – seiner Filme ist nicht mit logischen, semantischen Regeln zu vergleichen und daher ist es fast unmöglich, seine Filme mit solchen zu messen und zu bewerten.

Wie Jarmusch selbst sind auch seine Charaktere Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) vom Mainstream der schnellen, technologischen Welt abgeneigt und konzentrieren sich auf Jahrhundert alte Bücher, Underground-Musik und alles das, was ihrer Meinung nach Qualität und Bedeutsamkeit hat. Außerdem sind Adam und Eve Vampire, die seit vielen Jahren auf der Erde wandeln und sich nun in die Melancholie und Zweisamkeit ihrer Existenz hingeben und über die Menschen lamentieren. Adam bezeichnet „Nicht-Vampire“ als Zombies – Er fürchtet sie, da ihn als bekannter und beliebter Musiker nichts mehr in Angst und Schrecken versetzt als Ruhm und Berühmtheit. Das, so seine Überzeugung, ist der Todesstoß für Musiker und Künstler. Und genau dort merkt man die Traurigkeit dieses Films. Ich rede nicht von der gewollten, auffällig unauffällig im so genannten Subtext versteckten Traurigkeit, die alle Jarmusch-Filme wie ein rotes Band durchziehen. Viele schauen seine Filme an und bemerken dann mit einer abscheulichen Selbstzufriedenheit, dass Jarmusch in seinen Werken die Banalität des Alltäglichen zynisch zur Schau stellt. Ich wiederum bemerke in seinen Filmen die traurige Erkenntnis seiner verlorenen Jugend. Wie die nagende „Früher war alles besser“-Rede, suhlt sich Jarmusch in einer Ästhetik der 1980er Jahre. Plattenspieler, gruftige Kleidung, Bücher – Das alles mag auch der Lebensinhalt der Vampire sein, sie spiegeln aber auch das wieder, was Jarmusch wahrscheinlich in seinen jungen Jahren beschäftigt hat. Der Schwermut, der Lebensunwille, all das sind Anzeichen des depressiven Klammerns an vergangene Relikte einer Zeit, in der man selbst am Wandel der Zeit teilgenommen hat. Das Zurückschrecken vor der moderner Elektronik und allem, was die Zombies ihr eigenen nennen (Der postmoderne Mensch als Zombie des Konsums, wie originell) ist kein Zeichen des Bewahren von Originalität und althergebrachter Qualität, sondern das Unvermögen, sich dem Wandel der Zeit anzupassen und sich einzugestehen, dass einem neue Generationen gefolgt sind. Klar, es ist verständlich, dass das Älterwerden mit Schwermut einhergeht. Daher wahrscheinlich auch das Symbol des Vampirs, der wie eingefroren sein jugendliches Aussehen behält, jedoch an Wissen und Können dazugewinnt. Jarmuschs Wünsche sind trotz des vermeintlich tiefgründigen Äußeren ein trivialer und allgegenwärtiger Zustand. Die Unsterblichkeit und das Streben nach allem Bekannten und Bewehrten ist kein neues Konstrukt, im Gegenteil, es ziert unsere Kultur wie kein anderes (man denke nur an Faust). Jedoch ist es gleichsam ein Zeichen des Älterwerden und genau das zeigt, dass Jarmusch genau wie alle anderen Zombies ein egoistisches und menschliches Ziel verfolgt: Die Validierung des eigenen Ichs.

Wertung:

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Film Review: Lucy

26. September 2014
Lucy
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Quelle: Moviepilot

Der Film „Lucy“ von Luc Besson gibt an, dass jeder Mensch nur 10% seiner geistigen Fähigkeiten nutzt. Die Kraft und die Möglichkeiten, die jeder bei 100%iger Benutzung bekommen würde, ist schier unvorstellbar. Prof Norman (Morgan Freeman) beschäftigt sich mit genau diesem Thema und stellt dazu in Paris seine neuen Thesen vor. Die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns bei nur 10% mehr Nutzung würde laut Norman die physikalischen Gesetze unserer Welt ins Schwanken bringen.

Gleichzeitig liefert die naive amerikanische Studentin in Taiwan namens Lucy (Scarlett Johansson) für ihren neuen Freund ein Päckchen in einem Hotel ab. Dabei gerät sie in die Hände chinesischer Drogendealer, die sie und andere Westler als Drogenkuriere missbrauchen und so mit den Drogen in der Bauchdecke eingenäht zurück nach Europa schicken. Als Lucy von ihren Peinigern verprügelt wird, läuft die Substanz aus und gelangt in ihr Blut. Die Droge, bekannt unter den Namen CPH4 macht genau das, was Professor Norman seit mehreren Jahrzehnten untersucht: Sie steigert die menschliche Gehirnleistung auf 100 Prozent.

Ab diesem Zeitpunkt befasst sich der Film mit den unterschiedlichen Stadien, die Lucys Gehirn durchmacht. Sie beginnt Kontrolle über physikalische, psychische, telekinenische und elektromagnetische Zustände zu haben, die Zeit anzuhalten und Menschen mit einem Fingerschnippen in die Luft sausen zu lassen. Die Frage, die sie und Professor Norman, den Lucy zwischenzeitlich ausfindig gemacht hat, beschäftigt, ist: Was passiert, wenn Lucy 100 Prozent erreicht?

Der Film „Lucy“ von Kult-Regisseur Luc Besson nimmt sich eines sehr spannenden Themas an. Auch wenn Wissenschaftler die These der 10%-igen Benutzung widerlegten, ist es ein interessantes Gedankenexperiment. Genau als solches, wird es im Film auch gehandhabt. Außer den verschiedenen kognitiven Stufen, die Lucy im Laufe des Films erreicht, gibt es keine zusammenhängende Geschichte. Lucy ist schon früh eine übermächtige, unbesiegbare Superheldin, der weder die Chinesen, noch andere Widersacher ernstzunehmenden Schaden anrichten können. Der Film hat nur ein Ziel: Was passiert bei 100% – Jedoch ist die Auflösung des Films weder plausibel, noch zufriedenstellend. Sie ist anachronistisch zum Spannungsbogen des Films und lässt das Gesehene wie eine Amateur-Dokumentation erscheinen. Es ist schade, dass Luc Besson so wenig aus dem Potenzial des Films herausholt. Die langen Verfolgungsjagten und Schießereien scheinen ein reines Produkt der hollywood’schen Erzähltheorie zu entspringen, bringen jedoch weder den Plot weiter, noch die Figuren in ihrem Vorhaben voran. So wird die eh schon knapp bemessene Erzählzeit verschwendet. Es ist schade, dass der Film enttäuscht, obwohl Luc Besson schon oft bewiesen hat, dass er sehr wohl in der Lage ist, spannende Geschichten adäquat zu erzählen.

Wertung:

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Film Review: Sex Tape

19. September 2014
sex-tape-poster
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Quelle: Blockbuster.ch

Es gibt Filme, denen sieht man schon am Titel an, dass sie seichtes Popcorn-Kino bieten. Solche Filme sieht man sich mit Freunden an oder mal Zuhause auf DVD, wenn im Fernsehen zum hundertsten Mal NCIS kommt. Sex Tape ist so ein Film und auch der dazugehörige Film-Trailer passt genau in das Schema. Der Film erzählt die Geschichte des Pärchens Annie (Cameron Diaz) und Jay (Jason Segel), die ein Sexvideo mit ihrem iPad drehen und anstatt es hinterher zu löschen, es ausversehen und ungeplanterweise in die Cloud hochladen und mit den anderen Apple-Produkten, die ebenfalls den Account haben, synchronisieren. Das bedeutet, dass alle Freunde und Familienmitglieder, die im Laufe der Jahre iPads der beiden geschenkt bekommen haben, nun ebenfalls Zugriff auf dieses Video haben. Unfähig, das Video aus der Cloud zu entfernen, machen die beiden sich auf die Suche nach all den verschenkten Tablets, um das Sex Tape manuell zu löschen. Dabei sind sie wütigen Hunden, verrückten Reichen, 8-Jährigen Erpressern und weiteren Hindernissen ausgesetzt. Alles mündet darin, dass die beiden in das Hauptquartier von YouPorn eindringen und die Server mit Baseballschlägern bearbeiten, da das Video bereits in die Analen der Welt den Weg ins Internet gefunden hat.

Ich muss gestehen, dass mich die Prämisse des Films überzeugt. Die Cloud als unsichtbarer Hort von privaten Multimediainhalten als neuer Gefahren- und Angriffspunkt wird nicht nur in der Realität kontrovers diskutiert, sondern bietet auch in der filmischen Diegese einen spannenden und ein filmisch interessanten Ansatzpunkt. Leider hat Sex Tape einige inhaltliche Ungereimtheiten, die der guten Prämisse den Boden unter den Füßen wegschlagen. Zum einen der Ausgangspunkt, dass Annie und Jay circa 15 Leuten (unter anderem dem Postboten) ein iPad geschenkt und mit ihrem Profil versehen haben. Klar, anders hätte die Geschichte mit der synchronisierten Cloud nicht funktioniert, jedoch ist dieser Punkt unwahrscheinlich, unsinnig und klingt wie eine schlechte Ausrede. Man hätte es eleganter über zum Beispiel eine gemeinsame Dropbox lösen können, das hätte einen realistischeren und weniger an den Haaren herbeigezogenen Touch gegeben. Natürlich ist der Film Klamauk und auch als solcher angesetzt, trotzdem führen solche Ungereimtheiten dazu, dass man als Zuschauer sich schwer auf die Geschichte einlassen kann. Segel und Diaz sind ein sehr seltsames Paar, dem man die jahrelange Liebe nicht so recht abkaufen möchte. Vielleicht liegt das daran, dass Jason Segel seine Marshall-Rolle nicht verlieren kann und man sich jede Sekunde fragt, wann Lily endlich vorbeikommt.

Bis auf ein paar witzige Szenen ist der Film ziemlich lahm und leider nicht ganz so spaßig, wie der Trailer suggeriert. Besonders im Vergleich zu Filmen wie „22 Jump Street“, die auf einen ähnlichen Humor abzielen, merkt man, dass Sex Tape zäh und langatmig ist und das dünne Drehbuch mit zu wenig Inhalt gefüllt wurde. Sex Tape verpasst es, eine interessante Prämisse witzig und sehenswert zu gestalten. Anstatt einen Gag nach dem nächsten zu liefern, verliert sich der Film in langatmigen Szenen und einem ungleichen Schauspieler-Paar.

Wertung:

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Film Review: Rain Man

12. September 2014
Quelle: Fanart.tv
Quelle: Fanart.tv

Quelle: Fanart.tv

Der Film Rain Man erzählt die Geschichte von Charlie Babbitt (Tom Cruise), ein eingebildeter und selbstsüchtiger Autohändler, der italienische Autos importiert und dabei immer wieder Probleme mit Behörden und Umweltstandards hat und so in Geldnöten gerät. Während einer Reise mit seiner Freundin Susanna (Valeria Golino) erfährt er, dass sein Vater verstorben ist. Mit dem Ausblick, das Vermögen des entfremdeten Vaters zu erben, fährt Charlie kurzerhand mit seiner Freundin von LA nach Cincinnati zur Beerdigung. Sauer und enttäuscht muss er jedoch feststellen, dass sein Vater ihm nur ein Auto und ein paar Rosenbüsche vermacht hat. Die 3 Millionen Dollar des Vaters gehen an einen Treuhänder über. Charlie macht sich also, um sein Erbe betrogen, auf die Suche nach diesem Treuhänder und kommt schließlich in ein Heim für geistig Behinderte. Dort erfährt er zum ersten Mal von Raymond (Dustin Hoffman), sein älterer Bruder, der an dem Savant-Syndrom leidet und seit seiner Kindheit dort lebt. Raymond ist unfähig, soziale Beziehungen aufzubauen oder sich komplexen, gesellschaftlichen Situationen zu stellen, hat jedoch ein hochfunktionelles Gehirn und die Fähigkeit, komplizierte Rechenaufgaben zu lösen und sich alles zu merken, was er liest. Charlie „entführt“ Raymond kurzerhand, um mit ihm nach LA zu fliegen und ihn dort als Druckmittel zu benutzen, um doch noch an das Erbe zu gelangen, welches ihm seiner Meinung nach zusteht. Die Reise wird jedoch von Raymonds Ritualzwängen, Ängsten und Alltagshandlungen bestimmt, dessen Abweichung bei Raymond zu Wut- und Panikanfällen führen. Je mehr die beiden Zeit miteinander verbringen, umso fester wird die Bindung zwischen ihnen und Charlie muss am Ende entscheiden, ob er wirklich die Verantwortung für seinen Bruder übernehmen möchte, oder ob es besser für Raymond wäre, zurück in sein Wohnheim zu gehen, wo ihm die Sicherheit und routinierten Tagesabläufe gewährleistet werden.

Der Film Rain Man wird sehr langsam und einfühlsam erzählt. Man merkt ab der ersten Sekunde, dass der Film aus den 1980ern stammt. Nicht aufgrund der Föhnfrisuren oder weiten Pluderhosen, sondern, da die Erzähltechnik des Films einer ganz anderen, mittlerweile schon fast altertümlichen, Filmästhetik zugrunde liegt. Die schnellen Schnitte und hastigen Szenen der heutigen Zeit haben uns für Filme mit langsamer Erzählweise unbrauchbar gemacht und deshalb scheint Rain Man auch an manchen Stellen langatmig und unnötig Repetitiv. Der Film geht sehr behutsam mit Raymonds Zustand um und Dustin Hoffman leistete unglaublich gute Arbeit. Ich habe als Kind eine „Integrationsgrundschule“ besucht in der auch geistig und körperlich behinderte Kinder am Unterricht teilnahmen und auch wir hatten Schüler, die ähnlich wie Raymond waren. Die Sprache, die Gestik und Mimik sowie die peinlich genau eingehaltenen Rituale – All das hat Hoffman mit Bravour dargestellt. Und auch Tom Cruise macht seine Sache wirklich gut. Die Dynamik der beiden ist das, was den Film antreibt und sehenswert macht. Rain Man ist zurecht ein Filmklassiker, der anhand einer interessanten Prämisse und unverwechselbaren Charakteren auch nach 26 Jahren noch den Nerv der Zeit trifft.

Wertung: