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Film Review: Precious – Das Leben ist kostbar

16. Januar 2015
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Quelle: imdb.com

Claireece Johnes (Gabourey Sidibe), genannt Precious, hat es nicht einfach. Die 16-Jährige lebt zusammen mit ihrer Mutter, die sie physisch und psychisch traktiert sowie mit ihrem Stiefvater, der sie seit ihrer Kindheit sexuell Missbraucht und von dem sie bereits ihr zweites Kind erwartet, in Harlem. Die Familie ist von Armut gezeichnet – Mutter Mary (Mo’Nique) ist arbeitslos, bekommt Sozialhilfe und holt zu Hausbesuchen der Sozialamtmitarbeiter extra Precious‘ kleine Tochter „Mongo“ (benannt nach ihrem Down-Syndrom) zu ihr, um mehr Geld zu kassieren. Sonst wohnt die Kleine bei Precious‘ Großmutter. Aus Angst vor der Gewalt ihrer Mutter lügt Precious auch ihre eigne Sozialarbeiterin Ms Weiss (Mariah Carrey) an.

Precious‘ Leben voller Gewalt und Hass ändert sich jedoch, als ihre zweite Schwangerschaft öffentlich gemacht wird und sie deshalb in die alternative Schule „Each One Teach One“ transferiert wird. Dort lernt die sie, gestützt und angefeuert von ihrer Lehrerin Miss Rain (Paula Patton) lesen und schreiben und gewinnt das erste Mal in ihrem Leben Selbstschätzung und Anerkennung. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes kommt es jedoch zum Eklat mit ihrer Mutter, die Precious vorwirft, ihr ihren Mann ausgespannt zu haben und als Strafe das drei Tage alte Kind auf den Boden wirft und den Fernseher nach der fliehenden Precious wirft. Precious kommt daraufhin zuerst bei Miss Rain und dann in einem Halfwayhouse unter. Als der Stiefvater schließlich an AIDS stirbt, lässt auch Precious sich testen und muss unter Tränen feststellen, dass auch sie Trägerin des HI-Virus ist.

Der Film endet mit einer Konfrontation zwischen Precious und ihrer Mutter im Beisein von Ms Weiss (die vorher von Precious‘ brutaler Vergangenheit unterrichtet wurde). Mary berichtet, dass ihr Hass auf Precious davon stamme, dass sie (Precious) ihr „den Mann ausgespannt habe“. Der Stiefvater, der sich schon an Precious verging, als diese drei Jahr alt war, solle „nur sie (Mary) lieben und nicht Precious“. Aus Wut und Trauer aufgrund des sexuellen Interesses ihres Partners an ihrer Tochter hat die Mutter schließlich ihre Eifersucht und Minderheitskomplexe an Precious ausgelassen. Daraufhin verlässt Precious mit ihren beiden Kindern das Sozialamt mit den Worten, dass sie ihre Mutter niemals wiedersehen werde.

Der Film „Precious“ ist ein unglaublich trauriger und niederschmetternder Film über eine sozialschwache Familie voller Gewalt und Hass im Ghetto von New York am Ende der 1980er Jahre. Die dargestellte Realität ist genauso brutal wie ehrlich und hat nichts mit der fröhlichen Konsumgesellschaft zutun, die sonst im Fokus von Hollywood-Filmen steht. Ohne zu kommentieren oder etwas zu beschönigen zeigt der Film Precious‘ Verwandlung und aufkommenden Lebensdurst. Sehr positiv dabei ist, dass das Sozialdrama dabei nicht in eine American-Dream-Schablone gedrückt wird, sondern den angepeilten Realismus beibehält. Ebenfalls ist besonders die großartige Performance von Mo’Nique herauszustellen, die für ihre Rolle einen Oscar verdient gewonnen hat.  „Precious“ ist ein Muss für Freunde von realistischen Sozialdramen à la Ken Loach oder Andrea Arnold.

Wertung:

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