Film

Film Review: The Artist

19. Dezember 2014
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Quelle: http://theartist-derfilm.de/

Als der Film „The Artist“ 2011 in die Kinos kam, habe ich gerade in London gelebt und konnte es nicht über’s Herz bringen, 9 Pfund für einen Kinobesuch auszugeben. Besonders deswegen, da ich viele gemischte Reviews gelesen habe. Die einen fanden den Film super, Bekannte von meinem Freund sind aus dem Kino gegangen, weil sie es kaum aushalten konnten. Jetzt, drei Jahre später, ist der Film auf Netflix und so habe ich ihn mir angesehen.

„The Artist“ spielt Ende der 1920er, Anfang der 1930er-Jahre und erzählt die Hochs und Tiefs in den Karrieren zweier Schauspieler am Übergang vom Stumm- zum Tonfilm in Hollywood. Das Interessante ist, dass der Film auf sämtlichen Metaebenen als Hommage an die Stummfilmzeit zu sehen ist. „The Artist“ ist in schwarz-weiß und 4:3-Format gedreht worden und anstatt Dialogen wird die Story anhand von Zwischentiteln vorangetrieben. Auch sonst bedient sich „The Artist“ cineastisch aus der Trickkiste des Stummfilmzeitalters: Die starren Kameraeinstellungen in entweder Totale, Halbtotale oder Amerikanisch sowie die überdramatische Gestik und Mimik erinnern an Filme aus vergangenen Epochen.

Die Hauptperson des Films ist der Schauspieler George Valentin (Jean Dujardin), der mit seinem Hund Jack seit vielen Jahren den Hollywood-Traum verkörpert. Jeder neue Spielfilm will ihn als Hauptdarsteller und die Damen liegen ihm zu Füßen. Als er bei einer Premiere durch Zufall mit der jungen Peppy Miller (Bérénice Bejo) abgelichtet wird, beginnt auch sie, die Karriereleiter des Showbusiness hochzusteigen. Vieles ändert sich jedoch mit der Einführung des Tonfilms. Stummfilme und ihre alten Darsteller haben ausgedient und das Publikum sehnt sich nach frischen Gesichtern. Peppy scheint am Zenit ihrer Hollywoodkarriere angekommen zu sein, während George zu stolz ist, sich auf das neue Medium einzulassen. Verarmt und allein wird er fast Opfer eines Brandes, als Peppy ihn zu sich nimmt und sie gemeinsam einen Tanzfilm machen, in dem er nicht sprechen muss.

„The Artist“ ist auf jeden Fall ein Film für Liebhaber des alten Kinos. Der Film hat, wie auch die Originale aus den 1920er Jahren, weder eine atemberaubende Geschichte, noch herausragende Darsteller, sondern lebt allein vom Medium selbst. Die Ästhetik des Stummfilms wurde eins zu eins für „The Artist“ übernommen und in der Hinsicht sehr gut gelungen. Leider ist meiner Meinung nach die alleinige Rückbesinnung an vorherige Kinotage heutzutage nicht ausreichend. Die in den 20ern aus limitierten Darstellungsmöglichkeiten entstandenen Bedingungen für Kinofilme sind nicht auf cineastische Nostalgie, sondern die Limitierung des Mediums zurückzuführen. Eine moderne Interpretation, wie sie „The Artist“ macht, hätte eine weitere Metaebene zu einem Meisterstück machen können. Bis zum Schluss hofft der Zuschauer auf eine Epiphanie à la Charlie Chaplins „Modern Times“, doch sie bleibt aus. Regisseur Michel Hazanavicius ruht sich auf seiner Idee, einen modernen Stummfilm zu machen, zu sehr aus. Übergänge von Stumm- zu Tonfilm oder von schwarz-weiß zu Farbfilm sowie ein Ausflug George Valentins in das heute von Schnelligkeit und CGI geschärfte Kino hätte „The Artist“ etwas Selbstreflektierendes und Einzigartiges gegeben.  Leider wird diese Chance verpasst und so bleibt „The Artist“ allein als moderner Stummfilm in Erinnerung.

Wertung:

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