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London Einmaleins: Reise-Tipps und -Tricks

13. Oktober 2014
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Durch mein Londonstudium habe ich viel über diese Stadt herausgefunden, was mir sonst als normaler Tourist wahrscheinlich verborgen geblieben wäre. In diesem Artikel möchte ich meine persönlichen Tipps und Tricks teilen. Wenn euch noch weitere Punkte einfallen, immer her damit. Es gibt noch so viele Dinge, die ich über London noch nicht weiß und ich bin immer gewillt, etwas Neues zu lernen.

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Anreise

Viele werden auf günstige Fluglinien zurückgreifen und daher in Stansted, Gatwick oder Luton landen. Alle drei Flughäfen sind relativ weit von der Stadt entfernt und die Stadt bietet deshalb verschiedene Transfermöglichkeiten für die weitere Reise ins Zentrum an. Je nach Flughafen unterschiedlich, gibt es Expresszüge, normale Züge und Reisebusse („Coaches“ genannt). Expresszüge sind praktisch, jedoch preisintensiv, für die Hälfte oder sogar ein Drittel davon kann man per Reisebus reisen – Natürlich brauchen diese länger. Solltet ihr über Gatwick fliegen, würde ich von easyBus abraten! Diese sind nämlich keine normalen Reisebusse, wie sie aus Stansted fahren, sondern kleine Transporter, in die 14 Leute gequetscht werden. In das kleine Gepäckfach passen höchstens Handgepäckkoffer, wie größere Taschen transportiert werden sollen, ist mir ein Rätsel. In dem Bus ist es heiß und stickig und man sitzt einander quasi auf dem Schoß. Leute mit langen Beinen oder Konfektionsgröße über 36 passen schlichtweg nicht auf die Sitze. Ich bin ein bisschen kleiner als 1.70m und habe kaum Platz gefunden. Transfertickets immer vorher im Internet kaufen, das ist günstiger als vor Ort.

Egal für welche Transportart man sich entscheidet, Erfahrungen haben gezeigt, dass man in England nie zu früh am Flughafen sein kann. Sei es der Stau auf der Anreise oder schlichtweg die enorme Größe der Gebäude – Alles kostet unglaublich viel Zeit. Auch ist der Gang durch Security in England viel komplizierter und langwieriger.

Unterkunft

Ja, London ist teuer und auch die Unterkunft in der englischen Hauptstadt ist nicht preisgünstig. Es lohnt sich jedoch ungemein, im Zentrum der Stadt zu wohnen. Das heißt, dass das Hotel/Hostel/etc nicht außerhalb der ersten zwei Zonen sein sollte. Wieso? Weil die öffentlichen Verkehrsmittel in London noch teurer sind (siehe nächsten Punkt) und man sich nur ins eigene Fleisch schneidet. Innerhalb des Zentrums kann man noch viel zu Fuß erreichen, je mehr man außerhalb residiert, umso unwahrscheinlich wird das. Objektiv gesehen würde ich von Stadtteilen wie Croydon und einigen Gegenden im Osten der Stadt (Tower Hamlets) abraten.

Öffentliche Verkehrsmittel

Wer sie entweder noch nicht kennt, oder noch nicht hat, sollte sich bei der Ankunft in London als erstes eine Oyster Card kaufen und diese zum Bus- und Bahnfahren nehmen. Anders als bei uns gibt es nämlich neben den herkömmlichen, extrem teuren Papiertickets seit einigen Jahren auch die digitale Lösung für die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Oyster Card ist eine Kreditkarten große Plastikkarte, auf die man Guthaben oder Wochen-/Monats-/Jahresabos lädt und vor dem Betreten eines Busses oder einer Bahn auf einen gelben Knopf hält, um passieren zu können. Das Interessante an der Karte ist, dass sie sich merkt, welche Verbindungen ihr an einem Tag genommen habt und „rechnet“ dann am Ende des Tages die günstigste Ticketkombination ab. Seid ihr mit Fünf verschiedenen Bussen und Bahnen gefahren, berechnet die Karte eine Tageskarte. Nur zweimal mit dem Bus gefahren? Die Oyster Card stellt euch also nur zwei Einzelfahrscheine in Rechnung.

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Anders als in Berlin oder sonstwo in Deutschland (soweit ich weiß!), ist in London das U-Bahnfahren teuer als das Busfahren. Eine Einzelstrecke mit dem Bus kostet 1.45 Pfund und eine U-Bahnfahrt zwischen 3-4 Pfund, je nach Strecke und Peak Time. Es lohnt sich also, mit dem Bus unterwegs zu sein – da sieht man sogar noch was. Auch werden es die Londoner es euch danken, denn die U-Bahn in London ist ähnlich wie in Paris sehr tief unten gebaut und man muss ewig lange Strecken und steile Treppen überwinden, bis man sich mit den tausenden täglichen Pendlern in die viel zu kleinen Wagons quetscht (Achtung, nicht Barrierefrei, nicht immer mit Rolltreppe, selten mit Fahrstuhl).

Die U-Bahn ist in London viel kleiner als in Berlin und fährt meinen Erlebnissen nach seltener als in der deutschen Hauptstadt. Das Londoner Bussystem wirkt auf den ersten Blick kompliziert, ist aber sehr einfach und sehr(!!!) hilfreich. Anders als bei uns fahren in London viele hundert Busse. Das liegt daran, dass die U-Bahn nur im Zentrum fährt und man zum Erreichen des Speckgürtels entweder auf Railway, Busse oder Overground zurückgreifen muss. Anders als in Deutschland gibt es in London auf einer Strecke manchmal bis zu 5 Bushaltestellen, an denen jeweils verschiedene Buslinien abfahren. Jede Station hat einen Buchstaben oder eine Buchstabenkombination zur Identifikation. Ebenfalls hängen in den Stationen Pläne mit verschiedenen Endstationen. Sucht auf diesen Karten nach eurer Destination und findet heraus, von welcher Station der Bus abfährt – Dies wird wieder mit der entsprechenden Buchstabenkombination kenntlich gemacht. Eine weitere Karte zeigt an, wo sich welche Busstationen mit welchen Buchstaben befinden. Anders als bei der U-Bahn muss man beim Verlassen des Busses nicht noch einmal die Oyster Card an einen Entwerter halten, es macht also preislich keinen Unterschied, ob ihr eine oder 500 Busstationen fahrt. Es lohnt sich, lange Strecken per Bus zurückzulegen. Checkt die Bushaltestellen in der Nähe der Unterkunft aus und findet heraus, welche Orte angesteuert werden.

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Okay, nun zu den Tickets. Solltet ihr euch auf Busfahren eingestellt haben, kauft und ladet auf jeden Fall einen „weekly bus pass“ auf die Oyster Card. Dieser kostet 20 Pfund (Eine Bus-Tageskarte kostet 4.45 Pfund). Fährt man allein vier Tage lang so viel, dass sich eine Tageskarte gelohnt hätte, hat man den Preis wieder drin. Eine Wochenkarte für U-Bahn und Bus gibt es natürlich auch. Darüber kann man sich bei http://www.tfl.gov.uk erkundigen. Natürlich kann man auch „Pay as you go“ machen und das aufgeladene Guthaben abfahren.

Bevor ich’s vergesse: Busse müssen in London herangewunken werden, sonst halten sie nicht. Es gibt Bushaltestellen, an denen 10 verschiedene Buslinien halten – Seht ihr den Bus, mit dem ihr fahren wollt? Arm ausstrecken oder Handzeichen geben, sonst fährt der Bus einfach weiter. Achtung: Auch in Bussen gibt es Kontrolleure. Schwarzfahren, indem man schnell durch den hinteren Teil des Busses einsteigt, gilt also nicht. Auch nicht mit Oyster Card!! Diese wird durch den gelben Knopf, an den man die Karte halten muss, „entwertet“, quasi checkt man damit ein. Die Kontrolleure können sehen, wenn eure Oyster nicht beim Fahrer vorne „eingecheckt“ wurde.

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Sehenswürdigkeiten

Die Menge der Sehenswürdigkeiten hängt natürlich von der Zeit ab, die man in London verbringt. Ich persönlich finde, dass man folgendes auf jeden Fall mindestens einmal gesehen haben sollte: Big Ben, Westminster Abbey, Tower Bridge und St Paul’s. Meine Lieblingsmuseen/Galerien sind: National Gallery, Tate Modern, Saatchi Gallery und Courtauld Gallery. Es ist genial, dass viele Museen und Galerien kostenlos sind – Das sollte man ausnutzen. Ich persönlich bin kein großer Fan von historischen Museen, sondern schaue mir lieber Kunst an. Wem es anders geht, der sollte vor allem das Naturhistorische Museum, das Victoria and Albert Museum und das British Museum besuchen.

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Ebenfalls ein Muss sind Chinatown, Covent Garten, Trafalgar Square, Piccadilly Circus und Soho. Wer etwas mehr Zeit hat, dem kann man nur einen Spaziergang an der Themse (Southbank) empfehlen.

Für alle, die gerne auf Märkten stöbern, ist Camden Town ein absolutes Highlight. Ebenfalls zu empfehlen ist der Brick Lane Market immer sonntags. Letzteres ist noch ein klitzekleines bisschen underground und nicht ganz so touristisch wie Camden. Auch gibt es dort das bessere Essen. Camden hat aber die interessantere Szenerie und ist nicht (mehr?) ganz so hipster und prätentiös wie Brick Lane.

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Für alle, die sich gerne in Parks tummeln: St James Park (gleich beim Buckingham Palace, der sonst eher langweilig ist), Hyde Park und Regent’s Park sind sehr schön. Sonntags kann man im „Speaker’s Corner“ im Hyde Park dann verrückten Weltuntergangspropheten und radikalen Islamisten beim Debattieren zuhören und mitstreiten. Alle, die etwas mehr Zeit haben, sollten sich Hampstead Heath oder/und Greenwich ansehen. Letzteres beheimatet den Nullmeridian und in Hampstead kann man ins Freud-Haus gesehen (Achtung, nicht kostenlos).

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Geschäfte

Shopping in London macht Spaß, da es viel gibt, was wir in Deutschland nicht haben. Hauptstandort ist natürlich die Oxford Street, auch die daran angrenzenden Carnaby Street und Regent’s Street sind nicht zu verachten. Trendige Hipster wühlen in Second-Hand-Läden in East London, reiche Damen und Herren zieht es eher zu Knightsbridge oder zu Harrods.

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Restaurants

Engländer essen mittags nichts Warmes, sondern verleiben sich Sandwiches ein. Daher findet man auch selten richtige Restaurants mit Mittagstischen, wie man es von hier kennt. Auch sonst sind Londons Straßen eher von Fast-Food-Ketten, als von individuellen Restaurants bevölkert. Wer jedoch auf die leckeren Sandwiches steht, sollte auf keinen Fall das so genannte Meal Deal verpassen. Das gibt es in sämtlichen Supermärkten, Cafés und sogar Drogerien und kostet meistens 3 Pfund. Das Meal Deal beinhaltet ein Sandwich, ein Getränk und ein Snack (meistens Crisps, sonst auch manchmal Riegel oder Obst). Abends kann man in den Supermärkten dann manchmal noch reduzierte Sandwiches abgreifen. Hach…das Studentenleben in London.

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Essengehen ist in London sehr teuer. In Soho bei Bone Daddies oder bei Wagamama (schon wieder eine Kette!!) kostet die günstigste, japanische Nudelsuppe (Ramen) 10 Pfund, hier in Berlin im trendy Bezirk Mitte bei Makoto oder Hashi zahle ich 6-7€. Diese unterschiedliche Preisspanne findet man in allen Restaurants in London. Aber hey, Pizza Hut hat All-You-Can-Eat für unter 9 Pfund, so we got that thing going for us, which is nice.

Sehr teuer, aber sehr lecker: Byron. Dort gibt es Hamburger mit verschiedenen, ausgefallenen Käsesorten. Auch sehr gut: Chipotles (beides sind Ketten, also überall verteilt).

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Pub-Essen ist Geschmackssache. Wichtig ist: Man muss sich sein Essen und Trinken immer selbst holen und bestellen. Im Pub kommt keiner auf einen zu und nimmt die Bestellung auf.

Bitte, und ich kann es nicht oft genug mit selbst sagen, niemals in KFC-Abklatsch-Buden essen. Überall gibt es Tennessee Fried Chicken oder Alabama Fried Chicken, die frittiertes Hühnchen zu Schleuderpreisen anbieten. Leider werden diese Imbisse sehr oft von der Gesundheitsbehörde hochgenommen.

In China Town rechnen die Restaurants automatisch 10% Trinkgeld der Rechnung hinzu.

Ausgehen

Clubs kosten durchschnittlich 10-15 Pfund Eintritt, ein Cocktail in Soho locker mal 8 Pfund. Das ist normal in London, nicht nur in der feinen Innenstadt. Der Dresscode in Clubs ist je nach Etablissement anders als bei uns. Bei vielen gehören die knappen Kleider (auch „Ein-Meter-Kleider“ genannt, weil sie ungefähr ein Meter lang sind) dazu.

Natürlich kann man in London wunderbar ins Musical, Ballett, Theater oder Konzert gehen. Ich kann das „Legally Blonde“-Musical unbedingt empfehlen sowie ein Besuch im Theaterstück „The Mouse Trap“.

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Sonstiges

Anders als bei uns, kann man so gut wie überall mit Karte zahlen. Sogar kleine Fressstände am Straßenrand akzeptieren häufig Kreditkarten. Wenn wir schon beim Thema Karten sind: Barclays hat überall in der Stadt Poller mit Straßenkarten aufgestellt. Diese sind blau und unglaublich praktisch. So kann man sich nie verlaufen und sogar U-Bahn-Stationen sind aufgeführt.

Sonntags hat alles auf, jedoch meistens weniger lang als an den anderen Tagen. Die Geschäfte öffnen meist um 10h, Supermärkte und Co meist um 12h.

Eat in or take away? Oft ist es teuer, im Restaurant zu essen. Nur als kleines „Heads up“.

Linksverkehr!! Bitte nicht sterben, nur um eine Ampelphase zu sparen. Ein ehemaliger Prof von mir meinte, er hätte von seinem Büro aus häufig Verkehrsunfälle gesehen, häufig von Touristen, die nicht richtig geschaut haben.

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2 Comments

  • Reply Claudia 13. Oktober 2014 at 14:18

    Die Fahrkartenpreise in London haben mich wirklich umgehauen, weil wir nur zwei Tage da waren und ich mir dachte „Oyster Card? Brauch’n wa nich!“. Denkste, was wir da an Geld für die Bahnen und Busse verschleudert haben…

    • Reply einmalwunderland 13. Oktober 2014 at 18:27

      Ja, diese Papiertickets sind noch einmal einen Batzen teuer…dahingegen wirkt die BVG wie ein Armenhaus

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