Film

Film Review: Only Lovers left Alive

10. Oktober 2014
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Quelle: fontsinuse.com

Oh ja, Jim Jarmusch… seine Filme haben mich im Filmwissenschaftsstudium schon gequält und auch jetzt, vier Jahre danach, kann ich mich nicht mit diesem Regisseur anfreunden. Für mich ist Jarmusch synonym für alle Hipster dieser Welt. Er ist sogar das, was mit Hipstertum im wörtlichen Sinne gemeint ist, weil er das alles, was jetzt von bärtigen, Fixie bike fahrenden Apple-Jüngern als Avant-Garde bezeichnet wird, schon vor 30 Jahren gemacht hat. Jim Jarmuschs Filme sind so besonders, dass sie keiner herkömmlichen Filmkritik untergeordnet werden können. Die Struktur – Oder gar, das Fehlen dieser – seiner Filme ist nicht mit logischen, semantischen Regeln zu vergleichen und daher ist es fast unmöglich, seine Filme mit solchen zu messen und zu bewerten.

Wie Jarmusch selbst sind auch seine Charaktere Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) vom Mainstream der schnellen, technologischen Welt abgeneigt und konzentrieren sich auf Jahrhundert alte Bücher, Underground-Musik und alles das, was ihrer Meinung nach Qualität und Bedeutsamkeit hat. Außerdem sind Adam und Eve Vampire, die seit vielen Jahren auf der Erde wandeln und sich nun in die Melancholie und Zweisamkeit ihrer Existenz hingeben und über die Menschen lamentieren. Adam bezeichnet „Nicht-Vampire“ als Zombies – Er fürchtet sie, da ihn als bekannter und beliebter Musiker nichts mehr in Angst und Schrecken versetzt als Ruhm und Berühmtheit. Das, so seine Überzeugung, ist der Todesstoß für Musiker und Künstler. Und genau dort merkt man die Traurigkeit dieses Films. Ich rede nicht von der gewollten, auffällig unauffällig im so genannten Subtext versteckten Traurigkeit, die alle Jarmusch-Filme wie ein rotes Band durchziehen. Viele schauen seine Filme an und bemerken dann mit einer abscheulichen Selbstzufriedenheit, dass Jarmusch in seinen Werken die Banalität des Alltäglichen zynisch zur Schau stellt. Ich wiederum bemerke in seinen Filmen die traurige Erkenntnis seiner verlorenen Jugend. Wie die nagende „Früher war alles besser“-Rede, suhlt sich Jarmusch in einer Ästhetik der 1980er Jahre. Plattenspieler, gruftige Kleidung, Bücher – Das alles mag auch der Lebensinhalt der Vampire sein, sie spiegeln aber auch das wieder, was Jarmusch wahrscheinlich in seinen jungen Jahren beschäftigt hat. Der Schwermut, der Lebensunwille, all das sind Anzeichen des depressiven Klammerns an vergangene Relikte einer Zeit, in der man selbst am Wandel der Zeit teilgenommen hat. Das Zurückschrecken vor der moderner Elektronik und allem, was die Zombies ihr eigenen nennen (Der postmoderne Mensch als Zombie des Konsums, wie originell) ist kein Zeichen des Bewahren von Originalität und althergebrachter Qualität, sondern das Unvermögen, sich dem Wandel der Zeit anzupassen und sich einzugestehen, dass einem neue Generationen gefolgt sind. Klar, es ist verständlich, dass das Älterwerden mit Schwermut einhergeht. Daher wahrscheinlich auch das Symbol des Vampirs, der wie eingefroren sein jugendliches Aussehen behält, jedoch an Wissen und Können dazugewinnt. Jarmuschs Wünsche sind trotz des vermeintlich tiefgründigen Äußeren ein trivialer und allgegenwärtiger Zustand. Die Unsterblichkeit und das Streben nach allem Bekannten und Bewehrten ist kein neues Konstrukt, im Gegenteil, es ziert unsere Kultur wie kein anderes (man denke nur an Faust). Jedoch ist es gleichsam ein Zeichen des Älterwerden und genau das zeigt, dass Jarmusch genau wie alle anderen Zombies ein egoistisches und menschliches Ziel verfolgt: Die Validierung des eigenen Ichs.

Wertung:

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