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Demonstrationskultur, eine Zusammenfassung

27. Juli 2014

Wie in meinem Blog-Post am Mittwoch erwähnt, kam es am Freitag den 25.7.2014 am Al-Quds-Tag in Berlin und anderswo auf der Welt zu Pro-Palästina-Demonstrationen. Dieser Tag wird seit Ende der 1970er jährlich gefeiert, erfreut sich in Deutschland der letzten Jahre jedoch immer weniger Anhänger. Durch den momentanen Kriegszustand im Gaza-Streifen und den damit zusammenhängenden Sympatisierungen unter muslimischen Deutschen kam es jedoch zu einem Anstieg an Protestlern. Ebenfalls gab es zwei Gegendemonstrationen: Einmal marschierten circa 600 Antifa-Anhänger des Schwarzen Blocks gegen Antisemitismus am Adenauerplatz (Startpunkt der Al-Quds-Demo). Einige hundert Meter Richtung Wittenbergplatz (Endpunkt der Al-Quds-Demo) protestiere eine zweite Gegendemo mit circa 500-600 Menschen gegen Hass, Gewalt und Antisemitismus. Ich wohnte der zweiten Gegendemonstration bei. Leider ist keiner meiner (Facebook)Freunde dem Aufruf der Linken und Grünen ebenfalls gefolgt. Ob das auf Feigheit, Desinteresse oder andere Gründe zurückgeht, kann ich an dieser Stelle nicht sagen. Wer sich jedoch ein Bild darüber machen möchte, sollte sich den Bericht der Berliner BZ durchlesen. Leider sind das die einzigen, die wirklich bei der Demo vor Ort waren und nicht wie andere deutsche Leitmedien sich zu hetzerischen Artikeln hinreißen ließen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einen solchen Satz einmal freiwillig sagen würde. Die BZ hat eigentlich den Ruf, ähnlich wie die BILD ein Boulevardmagazin und eher an großen Überschriften, als Tatsachen interessiert zu sein. Liest man sich die Artikel von Spiegel Online (SPON), die Welt und ähnlichen an und schaut parallel die Berichterstattungen der ersten beiden deutschen Programme, kommt das Gefühl auf, alle Medien würden von einer jeweils anderen Demo berichten.

Die Polizei am Freitag vor Ort sagte etwas von circa 800 Protestlern. SPON und die Welt geben 1200 als Wert an und einige Nachrichtensendungen sprachen von 3500. Wo liegt da die Wahrheit? Ebenfalls erwähnte SPON die Gegendemonstrationen wie folgt: „Am Rande der Berliner Demonstration fanden zwei Gegenkundgebungen statt. Ihre Teilnehmer bekundeten Solidarität mit Israel.“ Der Rest widmet sich nur der anderen Demonstration. Ich bin sehr enttäuscht von SPON und werde in Zukunft aufhören, die Nachrichten dieses Mediums zu lesen. Es ist schade, dass das journalistische Niveau des Spiegels (offline) nicht auf die Online-Seite übertragen wird. Die Welt wiederum geht glücklicherweise etwas dezidierter und gefilterter an die unterschiedlichen Proteste heran und berichtet in diesem Artikel, wie die protestierenden Muslime antisemitisches Gedankengut auf ihrer Demo verhindern wollen. Leider ist es auch nur die Welt, die solche Sachen veröffentlicht:

„Das Bestreben, nur ja keine bösen Bilder zu liefern, ist allgegenwärtig. Einige Ältere besprechen die Lage: „Hast du eine Hisbollah-Fahne gesehen?“ – „Nein, keine.“ – „Gut.“ Und als die Demonstration sich in Bewegung setzt und nach einer Weile die Polizei die Schiiten dazu auffordert, politische Fahnen zu entfernen, also Hisbollah-Fahnen, die eben doch aufgetaucht sind, da werden diese ohne großes Aufhebens entfernt.“

RICHTIG SO. Jeder Deutsche hat das Recht, seine Meinung Kund zu tun und gegen und für das zu demonstrieren, was ihm/ihr am Herzen liegt. So ist das in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft. Das bedeutet jedoch auch, dass man sich an den Rechtsstaat halten muss. Trotzdem und gerade deswegen müssen politische und vor allem auch religiöse Führer sich dafür einsetzen, dass ein Protest gewaltfrei bleibt. Judenhass hat in Deutschland nichts verloren. Keiner sollte aufgrund seiner Religion, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Sexualität um sein Leben fürchten müssen. Und genau das war auch die Message der Demonstration, an der ich am Freitag beiwohnte. Da gibt es nicht für oder gegen Palästina. Im Gegenteil! Juden, Christen, Muslime und Atheisten versammelten sich, um gemeinsam für eine friedliche Lösung zu protestieren. Und das ist auch das einzige, was längerfristig zählt. Ich finde es schade, dass die Medien die Erscheinung für ihre Zwecke aufbauschen oder Dinge unter den Teppich kehren. Wieso wird immer nur über die eine Seite berichtet? Wieso werden die Lager dadurch entfremdet?

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