Film

Dokumentationen

21. März 2014

Ich schau zurzeit sehr gerne Dokumentationen. Eigentlich habe ich das schon immer gerne getan, nur wechselt mein Fokus immer mal wieder von fiktional zu nicht-fiktional, von Spielfilm zu der Aufzeichnung von real Erlebten – mal so, mal so. Im Moment sind es also wieder Dokus, die mich faszinieren und an den Bildschirm fesseln.

Auch wenn ich die Artikel des Vice Magazins eher mittelmäßig und in hohem Grade populistisch und subjektiv finde, sind einige der vielen Vice Reportagen wirklich sehenswert. Momentan berichtet Reporter Simon Ostrovsky für Vice jeden Tag aus der Krim. Jeden Tag wird ein Video hochgeladen, welches den Alltag und die Spannungen auf der ehemals ukrainischen Insel zeigt. Verschiedene Interessengruppen kommen zu Wort, die Veränderungen werden so aufgezeichnet wie sie passieren und im Gegensatz zu Mainstream-Medien werden nicht nur Politiker gezeigt, sondern Menschen des Volks. Und wenn Simon nicht beschimpft und weggejagt wird, weil er unbequeme Fragen stellt und als amerikanischer Provokateur bezeichnet wird, ist er mit Helm und Schutzweste bekleidet im Getümmel der Proteste. Was ich an dieser Reportage schätze ist (natürlich nicht 100%ige aber jedoch offenkundige) Objektivität der Reihe. Sowohl russlandkritische, als auch russlandtreue Bürger der Krim werden interviewt und sowohl ukrainische als auch russische Soldaten kommen zu Wort. Es wird mit Ex-Sowjetgeneralen gesprochen, die sich in die „glorreiche Sowjetunion“ zurückträumen und es werden sowohl ukrainische Ultranationalisten befragt sowie Ukrainer, die Opfer dieser rechten Schlägertruppen wurden.

Dann habe ich letztens mehrere BBC-Dokus über Nordkorea gesehen. Eine ist mit meinem Lieblingsquerkopf John Sweeney und deckt sich inhaltlich in großen Teilen mit einer ähnlichen Doku, die Shane Smith für Vice gedreht hat. Das heißt, sie haben die exakt gleiche Tour genossen. Schrecklich sind natürlich Reportagen über die Gulags von Nordkorea und die Berichte und gezeichneten Bilder derer, denen es gelang zu fliehen. Schreckliches Zeug, was ich mir nur in Maßen anschauen kann, weil ich sonst jegliche letzte Hoffnung an die Menschheit gänzlich verliere.

Letzten Sommer habe ich in einer ähnlichen Dokumentationshochphase viele Reportagen von Ross Kemp gesehen, vor allem seine „Ross Kemp on Gangs“ (Zu Deutsch: „die gefährlichsten Gangs der Welt“). Das gute an diesen Dokus ist, dass sie auf Youtube kostenlos zum anschauen sind. Besonders krass ist die Folge über Gangs in einem Gefängnis in Südafrika. Noch heute schüttelt es mich, wenn ich daran denke. Auch interessant und sehenswert sind meiner Meinung nach die Folgen über mexikanische und afroamerikanische Gangs im Großraum von Los Angeles (Compton). Die Polizei von Compton zeigt die beschlagnahmten Waffen, die den Gangmitgliedern im Laufe der Jahre abgenommen haben. Verrücktes Zeug, kann man nicht anders sagen.

Letzten Monat habe ich ein paar Reportagen über das Schicksal vieler Frauen und Mädchen in asiatischen und orientalischen Ländern gesehen. Stichwort Kinderbräute. In Indien, Nepal, Pakistan, Afghanistan, etc leider immer noch eine weit verbreitete Praxis, die vor allem durch große Armut und wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen dieser Regionen geschuldet ist.

Zwar etwas älter, aber immer noch hochaktuell ist die Dokumentation „The Great Happiness Space“ über Host Clubs in Japan. Es geht um Frauen in Japan, die viel Geld in so genannten Host Clubs ausgeben, um Aufmerksamkeit und Komplimente von gutaussehenden Männern zu bekommen. Gekaufte Liebe einmal anders. Denn, im Gegensatz zur Prostitution geht es in Host Clubs nur um das Zwischenmenschliche. Das Tragische an der Geschichte: oft sind die Kundinnen einsame Frauen oder gar Prostituierte, die sich für ein paar Stunden und teures Geld einen Schein von Liebe und Geborgenheit erkaufen.

Um den Bogen zum Anfang des Beitrags zurück zu spannen: Ebenfalls sehenswert ist die Vice-Reportage über die „Columbian Devil’s Breath“, eine hochgefährliche Droge aus Kolumbien, die Menschen von einer Sekunde in die andere in willenlose Zombies verwandelt (ohne Witz!). Banditen pusten das Pulver in die Gesichter ihrer Opfer und rauben diese aus oder auch Schlimmeres. Das Clou daran ist: atmet man diese Droge ein ist man zwar noch wach und bei Bewusstsein, man hat jedoch keine Kontrolle mehr über das, was mit einem geschieht. Wie gesagt, ist erschreckend, aber sehenswert.

Das war eine kleine Auswahl meiner Lieblingsdokus. Ich habe schon viele gesehen und bin immer auf der Suche nach interessanten Themen aus Ländern rund um den Globus.

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