Film

Film Review: Moonrise Kingdom

20. September 2013

large_ysTohGF7NY9Z6MYz9vLNYiyzh0r„Moonrise Kingdom“ von Wes Anderson erinnert visuell und thematisch an seinen Film „Die Tiefseetaucher“ (Original „The Life Aquatic with Steve Zissou“) aus dem Jahr 2004 und ist auch was die Geschichte angeht ähnlich skurril aufgestellt.  Der Plot folgt den beiden 12 Jährigen Suzy und Sam, die beide von Zuhause ausgerissen sind, um bei einander zu sein und in der Wildnis ein Abenteuer zu erleben. Als das Fehlen der beiden auffällt, sind Eltern, Polizei und die Pfadfinder, zu denen Sam gehört, der fiktiven Insel New Penzance in heller Aufruhr. Sie suchen nach ihnen, finden sie schließlich und nach einem Showdown in der ansässigen Kirche, in der eine Schulklasse gerade eine Adaption von „Noahs Arche“ aufführt, wird das junge Liebespaar doch nicht wie angekündigt für immer auseinander gerissen, sondern findet das gemeinsame Glück.

Objektiv gesehen macht der Film keinen Sinn und auch als Zusammenfassung hört sich die Geschichte schwachsinnig, langweilig und seltsam an. Jedoch könnte man das über alle Filme von Wes Anderson sagen. Plot und geradlinig erzählte Geschichten geraten bei ihm eher in den Hintergrund. Im Spotlight seiner Erzählungen stehen eher das visuelle des Films sowie skurrile Figuren und eigenartige Figurenkonstellationen. Auch „Moonrise Kingdom“ quillt vor Skurrilität fast über; die Figuren sind überspitzt und irrtümlich, die Dialoge schwachsinnig und auch sonst wirkt alles wie eine Parodie. Und genau so muss man seine Filme auch nehmen: als Parodie, als Ausdruck seines Humors, der für viele objektiv keinen Sinn zu machen scheint, jedoch urkomisch ist, wenn man erst einmal dahinter gestiegen ist. Ich persönlich finde seinen Humor klasse – genauso wie seine Sprünge zwischen den Genres; sei es das Dokumentarfilm-esque durch den „Erzähler“ der immer mal wieder Auftaucht und direkt in die Kamera spricht oder das coming-of-age-Drama vor der weich gezeichneten Fototapete. Alles wird episodenhaft und willkürlich aneinander geschnitten oder durch Kameraschwenks wie französische Filme der 60er Jahre zusammengefügt. Was im kleinen verwirrend wirken könnte, sieht als großes Bild vortrefflich aus. Bei Anderson passt alles am Ende visuell zusammen.

Mal abgesehen von der unorthodoxen Montage- und Erzähltechnik sind Wes Andersons Filme immer ein Hingucker. Diesmal wieder in Pastelfarben und -Formen der 1960er Jahre getüncht, wirkt „Moonrise Kingdom“ wie aus einem Bonbon-Laden entsprungen.

Alles in Allem ist „Moonrise Kingdom“ ein Fest für’s Auge und ein Fest für die Sinne für alle, die sich komischer Geschichten und skurrilen Charakteren annehmen wollen. Auf jeden Fall ist dieser Film nicht massenkompatibel und auch sicher kein Publikumsschlager wie Mission Impossible oder Shrek, jedoch ist „Moonrise Kingdom“ mit seiner liebevollen Ausstattung perfekt für Anderson-Enthusiasten und alle, die schräge Geschichten genießen.

Wertung: 

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