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Gute Frage

28. Juli 2013

Was würdest du in deinem Leben machen wollen, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Mal angenommen, jeder wäre versorgt, jeder hätte Geld und den Luxus, mit seinem Leben das zu tun, was er möchte.

Was würdest du dann tun.

Ich finde diese Frage extrem wichtig. Etwas zu tun, für das man nicht brennt, ist frustrierend. Etwas zu tun, für das man brennt und wofür man schlecht bis gar nicht bezahlt wird, ebenso. Wie kann man dieses Problem also lösen? Gibt es eine Lösung? Wenn jeder das machen würde, was er/sie wirklich will, gäbe es dann einige Berufe einfach nicht mehr? Primark-Verkäufer zum Beispiel… dieser Beruf wäre ausgestorben. Ein Arbeitskollege von mir hat mal dort gearbeitet und er meinte, er habe dort jeden Tag  8 Stunden lang nur Kleidung vom Boden aufgehoben und gefaltet. Der ewige Kreis der Konsum-Bulimie.

Auf der anderen Seite, wie verhält es sich mit Berufen wie Schauspieler, Musiker, etc – Berufe, von denen so viele Menschen träumen. Haben solche Tätigkeiten noch etwas Besonderes, wenn jeder es macht? Bringt nicht allein die Verknappung von Möglichkeiten das Großartige aus diesen Berufen heraus? Wenn Geld bei mir keine Rolle spielen würde, ich nur würde schreiben. Schreiben schreiben schreiben. Jeden Tag. In der Hängematte liegen und Geschichten konzipieren, Charaktere formen und mit Sprache spielen. Ob ich das nun besonders gut kann oder nicht, ist egal. Ich brenne für’s Schreiben und für gute Geschichten. Leider ist das in der realen Welt schwer umzusetzen, wenn man keine reichen Eltern hat oder Apple-Aktien besitzt. Autoren haben es nicht leicht und auch Bestseller zu schreiben à la Stephenie Meyer (erster Roman gleich ohne viele Änderungen publiziert und zum Welthit geworden! Bäm, man kann sich ja über die Qualität ihrer Bücher streiten, aber das ist auf jeden Fall ne Reife Leistung! Selbst J.K Rowling hat 6 Jahre auf die Publikation ihrer HP-Romane warten müssen und nur Absagen kassiert) ist so gut wie unmöglich und braucht viel Arbeit, viel Reputation und Ausdauer. Ohne Geldreserven ist das schwierig. Deswegen gehe ich nun den Mittelweg und verbinde das Schreiben mit einer anderen Arbeit (die mir trotzdem auch Spaß macht und auch mit Texten zu tun hat).

Was würde man tun, wenn Geld keine Rolle spiele und man sich nur den Tätigkeiten widmen könnte, für die man wirklich und 100%ig brennt. Ich finde die Frage sehr inspirierend und gleichzeitig philosophisch (da unmöglich zu realisieren). Manchmal sieht man Leute, die für das brennen, was sie tun. Der Prof eines Uni-Ferienkurses zum Thema Eventmanagement, zum Beispiel, dem hat man an der Nasenspitze angesehen, dass er für seine Arbeit lebt. Sehr bewundernswert! Nichts ist schlimmer als Menschen, die gestresst und angenervt auf der Arbeit sind und sich den ganzen Tag nur quälen.

Ob nun Utopie oder nicht, ich werde weiterhin über diese Fragestellung nachdenken – spannend wäre das auch auf die ganze Welt bezogen. Könnten wir noch billig Shirts bei Primark kaufen, wenn die Arbeitssklaven in Asien die menschenunwürdige Arbeit verlassen? Ist unser Luxus nicht an das Unglück und die Ausbeute anderer gekoppelt? Wir in der westlichen Welt würden viel verlieren, wenn jeder Mensch das tun könnte, für das er wirklich brennt. Keiner brennt dafür, 12 Stunden am Tag angekettet für 5 Cent Oberteile zu nähen. Niemand brennt dafür, in Minen im Kongo unter lebensgefährlichen Bedingungen Coltan zu schürfen, damit wir hier in Deutschland noch das vierte Nokia Lumina haben können.

Vielleicht sollten wir einfach alle aufhören zu meckern, mich eingeschlossen, und froh sein, was wir haben.

3 Comments

  • Reply Gregor 28. Juli 2013 at 14:18

    Das ist wie im Spiel, wenn man alles hat, dann wirds langweilig.
    Jeder ist dann auf Bahamas und co. und De würde man in ein Museum umwandeln 🙂
    Wozu noch hier leben?

    Außerdem kann so etwas nie passieren, weil der Mensch immer Ich-bezogen und egoistisch ist. Es gibt immer Ausnahmen, aber diese sind dann ohne irgendwelche Macht. Der Mensch an der Macht muss sein Denken ändern, das wird er aber nicht, weil er seine Macht und sein liebes Geld nicht verlieren will.

    Liebe Grüße, Gregor

    • Reply einmalwunderland 28. Juli 2013 at 21:39

      Interessant 🙂 Ich nehme an, du bist aus den gleichen Gründen auch gegen den gesetzlichen Mindeslohn? Auch wenn ich dir zustimme, dass einige wahrscheinlich nur faul in der Ecke liegen würden (ist ja jetzt schon der Fall!), glaube ich nicht, dass dann die Wirtschaft zusammenbrechen würde. Was ist mit denen, die ihren Job lieben? Auch glaube ich nicht, dass der Mensch auf Dauer glücklich ist, wenn er nichts zu tun hat. Geht mir auf jeden Fall so. Man muss nur das finden, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen.

      Danke auf jeden Fall für deinen Kommentar.

      LG
      Charlotte

      • Reply Gregor 28. Juli 2013 at 22:09

        Klar bin ich gegen den Mindestlohn von 7 €, weil davon eigentlich kein Schwein überleben kann und wenn dann so als ob er Harz 4 hätte, wenn nicht schlimmer, wenn er/sie ja die WE nicht machen usw.
        Sonst akerst dich tot und hast eigentlich nur Dach überm Kopf und was zu Essen, mehr darfst du dann auch nicht verlangen.

        Die, die ihren Job lieben sind dann die Seltenheit, trotzdem werden sie sich keine 24 Tage Urlaub leisten sondern gleich 2 Monate 🙂

        Klar, jeder braucht was, sonst wird man verrückt, das hat schon Dostojewski „gesagt“ und habe auch des öfteren darüber geschrieben.

        Das Problem ist, dass es nicht so einfach ist was zu finden und dann ist es schon zu spät. Nicht jeder weiß was er sein wollte und wurde gut beraten.

        Bitte schön 🙂 Mach ich immer wieder gerne 🙂

        Liebe Grüße
        Gregor

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