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Freiheit – Ein Nachruf

7. Juli 2013

Es ist noch nicht so lange her, da stand ein strahlender Obama am Brandenburger Tor in Berlin und zog symbolisch seine Jacke aus – ein Zeichen von Freundschaft und Vertrauen. Man muss kein promovierter Psychologe sein, um den Subtext dieser Geste zu verstehen. Hier in Deutschland fühlt er sich wohl, hier unter seinen Verbündeten braucht er nicht den starren Staatsmann mimen, hier kann er sich relaxt zeigen.

Jedoch scheint er sich in Wirklichkeit mit den Deutschen nicht allzu verbunden zu fühlen. Freunde, denen man Vertrauen entgegenbringt, spät man schließlich nicht systematisch aus. Der Spiegel enthüllte vor ein paar Tagen, dass täglich 500.000 Kommunikationsverbindungen (SMS, Telefon, Mail) in Deutschland von den Amerikanern abgehört werden. Eine halbe Millionen, jeden Tag. Das alles passiert natürlich unter dem Deckmantel der Terrorprävention. Um die USA vor islamistischen Angriffen zu bewahren durchforsten die Yankees also jeden Tag eine Myriade von elektronischer Post in der Hoffnung, alle Jubeljahre einmal einen in Deutschland ansässigen Schläfer zu entdecken. Unterstützt von den Briten, die sich vor allem erst einmal selbst an die Nase fassen sollten und in ihren eigenen Reihen aufräumen sollten, wird hier der größte Eingriff in die menschliche Würde und Privatsphäre aller Zeiten aufgedeckt, welchen George Orwell die Feder aus der Mütze springen lassen würde.

Dabei wirkt der Vorwand des internationalen Terrors wie ein Schlag ins Gesicht. Die NSA zapft ja nicht nur unwissende Bürger und potentielle Dschihadisten an, sondern auch Botschaften, Regierungsorganisationen, die deutsche Regierung sowie Institutionen der Europäischen Union und Industrieunternehmen in Deutschland aus. Warum auch gerade diese Institutionen im Kampf gegen den Terror überwacht werden ist unglaubwürdig und entlarvt die vorgeschobenen Argumente der Ausspäher als Unsinn. Weder die deutsche Regierung, noch die EU unterstützt Terroristen, sondern ist Verbündeter der USA in ihren militärischen Interventionen. Die Deutsche Sicherheit wird ja schließlich nicht nur am Hindukusch verteidigt.

Eher scheint es hier um andere Dinge zu gehen, die bei genauem Hinsehen viel gravierender sind als ein verwirrter Selbstmordattentäter: die komplette, uneingeschränkte und allumfassende Kontrolle. Durch systematische Spionage und ungefilterte Datenspeicherung wähnt sich das Land, welches die Freiheit als eines ihrer Grundwerte gepachtet hat, in einer gewissen Vormachtstellung in der Welt. Sie besitzen die Arroganz, so etwas durchzuführen, ohne später jegliche Konsequenzen dafür fürchten zu müssen. Sie haben es nicht nötig, sich an die „Spielregeln“ und bilaterale Abkommen zu halten, geschweige denn an internationale Immunität demokratischer Rechtsstaaten. Die eigenen Interessen durchzuboxen und dabei die Verbündeten zu hintergehen ist dabei jedoch nicht nur ein moralischen Vergehen; Was hier en Gros aufgezogen wurde ist einer der größten Skandale nach Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs. Jedoch fragt man sich: wieso Deutschland, wieso der ungemeine Fokus auf uns? Jetzt, wo Journalisten immer mehr entlarven und auch amerikanische Industriespionage in Deutschland entdeckten, drängt sich die Frage auf, ob die Amerikaner sich mit allen Mitteln ihre bislang unangefochtene Vormachtstellung der westlichen Welt bewahren wollen. Kann es sein, dass sie Angst haben, Deutschland könnte wieder einmal zu gewichtig in der Welt werden? Jetzt, wo Angela Merkel von ihren internationalen Kollegen oft spaßeshalber als „Königin von Europa“ getauft wird und griechische und spanische Zeitungen sie immer mal wieder auf Deutschlands große Machtausübung auf und Lenkung von europäischen Anliegen schimpfen, scheinen die Freunde jenseits des Teiches eine Art ungutes Gefühl im Bezug ihres ehemaligen Besatzungslandes erinnert. Beneiden sie die Deutsche Wirtschaft und innovative Industrie oder sind sie an Vorfälle vor 68 Jahren erinnert, in denen Deutschland schon einmal Europa dominierte? Ist, nach all den Jahren Deutsch-Amerikanischer Freundschaft die Verbindung zwischen den beiden Staaten immer noch durch ein amerikanisches Misstrauen unterwandert? Wenn das so ist, dann ist die Paranoia des Kalten Kriegs nicht mit dem Fall der Mauer abgetragen worden. Der Deutsche, der ewige Nazi? Was in Filmen der 80er Jahre noch stümperhaft in amerikanischen Kinos flimmerte, scheint jetzt wieder allgegenwärtig in den Köpfen der Menschen verankert zu sein. Und schlimmer noch: Angela Merkel, aufgewachsen in der ehemaligen DDR, angelernt beim Russen, sozusagen. Sie ist der Prototyp des Amerikanischen Alptraums: Ein Kommunisten-Nazi auf Beutezug in der Welt. Erst wird Polen eingenommen und dann Amerika. Und ehe sie sich versehen, marschieren die Teutonen mit wehenden Fahnen in Washington ein, singen die dritte Strophe der deutschen Nationalhymne und hissen die rote Flagge mit  Hammer und Sichel auf dem Weißen Haus. Joa so wolln’s die oalten Rittersleut!

Spaß beiseite, es drängt sich die Frage auf, ob „die Beteiligung der Briten an der Europäischen Union, nur eine Scharade [ist], um besser kontrollieren zu können, was die vermeintlichen Partner im Schilde führen?“ (Kuzmany). Der Angelsachse als verlängerter Arm der Amerikaner als Saboteur der EU mag vielleicht etwas verschärft klingen, trifft jedoch in gewissen Punkten den Nerv der Zeit. Die Alte Welt muckt auf, Deutschland hat die Opferrolle abgestreift und präsentiert sich als ernstzunehmende wirtschaftliche und intellektuelle Konkurrenz, während das gelobte Land der Freien und Mutigen durch Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit für gesellschaftliche Minoritäten glänzt.  Die Milliarden von Dollar, die für Tempora-Projekte verpulvert werden, hätten für die soziale Sicherung der US-Bürger sowie die Förderung von Minderheiten und die Sanierung von öffentlichen Schulen der USA mehr getan. Jedoch führen die Amerikaner eher einen totalen Cyberkrieg gegen so genannte Drittstaaten und tun dies noch ganz offiziell als Lappalie ab. Ich glaube jedoch, dass, wenn der Iran oder Nordkorea ähnliches in den USA veranstaltet hätte, würden jetzt schon die Bomben fallen. Don’t fuck with us, ‘cause we’re already too busy fucking with everybody else.

Wahrscheinlich stehe ich nach diesem Eintrag selbst auf der Liste. Schließlich habe ich nicht nur eine kritische Meinung abgegeben, sondern auch bestimmte „Buzz Words“ benutzt, die bei einem Raster alle Alarmglocken ziehen werden. Und, weil’s doch so schön war noch eine Ehrenrunde: Putin, Karl Marx, Mohammed, Islam, Hitler, Deutschland, Merkel, Russland, Kim Jong Un, Ahmadschinedad, Burqa, Communism, Burger, Taco Bell, Mexico, Snowden-ist-mein-Nachbar, Homosexuality, Gay Marriage, Abortion, Guantanamo.

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