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Film Review: Gambit – Der Masterplan

5. Juli 2013

BildDie Coen-Brüder haben es wieder getan. Nach zwei Jahren Ruhepause haben die beiden Filous des amerikanischen Kinos erneut ein Drehbuch geschrieben. „Gambit – Der Masterplan“ basiert zwar auf dem 1966 erschienen Films „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ (Original lief der Film jedoch auch unter dem Namen „Gambit“) mit Michael Cain und Shirley McLaine, er hat jedoch durch Joel und Ethan Coen einen neuen Rahmen und eine leicht veränderte Story bekommen.

Harry Deane (Colin Firth) möchte sich rächen. Sein cholerischer Boss Mr. Shabandar (Alan Rickman) soll mit einem gefälschten Monet hinters Licht geführt werden und dabei noch eine ganze Stange Geld abdrücken. Alles scheint perfekt zu laufen: das Bild ist gemalt, der Plan gefasst und der Coup ausgereift. Jetzt muss nur noch die exzentrische Rodeo-Queen aus Texas, PJ Puznowski (Cameron Diaz), als angebliche Erbin und potentielle Verkäuferin des Bildes für das Vorhaben gewonnen und nach London gebracht werden. Jedoch kommt natürlich alles anders als vom stocksteifen Engländer Deane geplant. Shabandar springt nicht auf den sorgfältig platzierten Köder an, der minutiös ausgedachte Plan gerät ins Wanken und der Coup scheint zum Scheitern verurteilt zu sein.

Trotz verhaltender Kritiken und schlechten Bewertungen ist „Gambit- Der Masterplan“ ein Feuerwerk an trockenem, britischem Humor. Colin Firth als gehemmter und verstockter Brite ist ebenso brillant wie sein amerikanisches Pendent Cameron Diaz, die mit laxen Sprüchen und unverständlichem Texanisch die müden Köpfe der britischen Hauptstadt verdreht. Der Film bietet eine Charakterstudie, die ein Henry James nicht treffsicherer und sarkastischer hätte zeichnen können. Zugespitzt werden die Mentalitäten der alten und neuen Welt aneinander gerieben bis Funken sprühen und einen einzigartigen, jedoch sehr britischen Humor zum Vorschein bringt, der kein Auge trocken lässt. Nach altbekannter Coen-scher Art sind die Gags zielsicher und subtil und mit viel Menschenkenntnis durchzogen. Dabei vermischen sich guter, alt-europäischer Slapstick, Wortspiele und zweideutige Missverständnisse mit Stereotypen und falschen Vorstellungen von Kulturen und Ethnien. Sei es nun die abgekartete Grinse-Scharade der Japaner, der nüchterne Brite oder der überkandidelte Kölner Kunstexperte mit derbem Akzent, bei „Gambit- Der Masterplan“ werden alle rassistischen Klischees aufgenommen und gebrochen.

Nach eher mäßig-witzigen Filmen aus der Feder der Coen-Brüder der letzten Jahre wie „Burn after Reading“ (mit Ausnahme eines brillanten Brad Pitts) und „A Serious Man“, ist „Gambit- der Masterplan“ ein sehr gelungener Film, der bis zur letzten Minute Spannung und Humor versprüht. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Coen-Brüder einmal von ihrer eigentlichen Kuschelecke des grotesken und beißenden Humors Anstand nahmen und sich dem traditionellen Humor widmeten. Alteingesessene Coen-Liebhaber werden bei diesem Film wahrscheinlich enttäuscht das Kino verlassen, für Freunde des trockenen Witzes mit einer Prise Slapstick ist der Film allein schon auf Grund der großartigen Besetzung ein Must-See.

Wertung: ✭✭

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