Film

Classic Film Review: The Trouble with Harry (1955)

14. Juni 2013

Bild„The Trouble With Harry“, der unter dem Titel „Immer Ärger mit Harry“ in Deutschland erschien, ist eine der wenigen wirklichen Komödien, die „The Hitch“ gedreht hat, jedoch auch einer der schlecht bewertesten Filme des Master of Suspense.

Nach dem gleichnamigen Roman von Jack Trevor Story erzählt „Immer Ärger mit Harry“ von den mörderischen Ereignissen in einem kleinen Städtchen in Vermont. Plötzlich taucht eine Leiche im Wald auf und niemand weiß so recht, wer der Tote ist, woher er kam und wie er zu Tode gekommen ist. Schnell finden sich eine Hand voll Menschen zusammen, die alle glauben, Schuld am Ableben Harrys zu haben und sie beschließen schließlich, der allgegenwärtigen Polizei nichts von dem Vorfall zu berichten und Harry mit vereinten Kräften zu begraben. Anders als bei anderen Hitchcock-Filmen steht hierbei jedoch nicht die Suspense oder die kriminellen Energien der Hauptcharaktere im Mittelpunkt, bei „Immer Ärger mit Harry“ wird das eiskalte und fast gleichgültige Verhalten der Protagonisten auf humorvolle Art und Weise präsentiert. In feinster englischer Manier wird der schwarze Humor rund um das Thema Tod und Mord durchdekliniert; es wird über dem Toten die Hände geschüttelt, ältere Damen stupsen ihn mit dem Fuß an, Künstler scharren sich um ihn, um ein gutes Portrait malen zu können und ein verwirrter, im Laufen lesender Allgemeinmediziner stolpert in geregelten Abständen über den Toten. Gefühlte hundert Mal wird die Leiche ein- und ausgegraben und das alles mit einer Seelenruhe und Leichtigkeit, als würde man nach Rüben graben.

Dass der Film für das amerikanische Publikum (der 1950er Jahre) ein Flop war, ist nach der ersten Minute unmissverständlich deutlich. „Immer Ärger mit Harry“ strotzt nur so vor europäischer Kinomentalität. Der schwarze britische Humor, französischer Slapstick und eine erfrischende Direktheit in den Dialogen widersprechen dem Saubermann-Filmimage Hollywoods. Hitchcock ist und bleibt eben Brite – ein Fakt, den er mit „Immer Ärger mit Harry“ noch einmal nachhaltig demonstriert.

Zu erwähnen wäre an dieser Stelle noch die seltsame deutsche Synchronfassung der 50er, die aus Blueberry Muffins „Blaubeer-Maultaschen“ machte. Wussten sie nicht, was Muffins sind und konnten sie diese nicht als kleine Küchlein erkennen? Sie sind schließlich nicht aus Nudelteig gemacht, geschweige denn gebraten. Das Deutsche Unwissen über Muffins scheint sich aber bis in die späten 90er Jahre hinein zu ziehen; auch in einer der ersten Staffeln der Simpsons werden Muffins wahlweise als „Kleieküchlein“ oder als „Napfkuchen“ bezeichnet. Hach ja, Deutschland und der lang abgewehrte, imperialistische Einfluss.

Wertung: ✭✭

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