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勝るを羨まざれ、劣るを卑しまざれ

23. Juni 2013

Ich glaube nicht an Talent. Talent ist eine Ausrede für faule Menschen, die sich zu gemütlich sind, um den Hintern hoch zu kriegen und sich anzustrengen. Ich glaube auch nicht an Veranlagung oder „ein Händchen für etwas haben“. Jeder Mensch hat bei der Geburt die gleichen Voraussetzungen, erst Förderung, Fleiß, Determination und Sozialisierung formen „Talent“ oder ähnliches. Denn, Talent ist nutzlos, wenn man im Slum von West-Monrovia aufwächst und nicht die monetären Möglichkeiten hat, sich selbst zu entfalten und gefördert zu werden. Auch hätte Mozart sein „Talent“ nicht viel gebracht, wenn er nicht neun Stunden am Tag Klavier gespielt und hart für seinen Erfolg gearbeitet hätte. Ich find’s immer so lachhaft, wenn Leute glauben, talentierten Künstlern würden die Ideen nur so zufliegen… den romantischen Gedanken vom irdischen Genie haben wir ja schließlich schon vor 200 Jahren ad Acta gelegt. Erfolgreiche Menschen arbeiten hart an ihrem Erfolg und all das Gelaber um Talente ist mehr eine Beleidigung, als eine Wertschätzung. Talent klingt immer so, als hätte sich ein Michael Jackson mit 5 Jahren auf die Bühne gestellt und einfach drauflos gesungen und – Tadaa- zwei Dekaden später fallen ihm Preise, Goldene Schallplatten und Nummer-eins-Hits einfach so in den Schoß. Dass der Mensch sein ganzes Leben, seine ganze Freiheit und Kindheit geopfert hat, um dahin zu kommen, wo er war, wird ignoriert. Nein, dann wird von Tanz-Talent gesprochen. Och wie gut er doch getanzt und gesungen hat – und erst dieser Moonwalk, wie unglaublich eindrucksvoll und originell… ja vielleicht weil er sein Leben nichts anderes gemacht hat? Viele sehen oft den Erfolg, aber nicht den harten Weg dahinter. Viele sind neidisch auf das Positive, was erfolgreichen Menschen widerfährt, sehen aber nicht hinter die Kulissen und sehen nicht die Anstrengung und den Schweiß, der damit verbunden ist.

Da jedoch von Talent zu sprechen, ist unfair. Es gibt keine Talente, nur harte Arbeit und determinierten Fleiß. Trotzdem glaube ich, dass jeder etwas hat, was er/sie besser kann, als alle anderen. Oder, um’s pragmatischer auszudrücken, jeder hat etwas, was er am besten kann. Dieses herauszufinden, ist, meiner Meinung nach, das Wichtigste im Leben. Es hat lange gebraucht, bis ich wusste, was ich am besten kann. Und damit meine ich nicht unbedingt und ausschließlich erlernbare Fähigkeiten wie Radfahren, Malen oder Gitarre spielen; Vielmehr können das auch Eigenschaften sein…der eine kann gut zuhören, der andere gut motivieren, ein dritter vielleicht sich mathematische Zusammenhänge bildlich vorstellen. Das hat aber nichts mit a priori oder sonstwas zu tun, sondern ist auf Erfahrung oder Übung. Gut zeichnen zu können hat was mit Übung zu tun. Dass ich nicht einmal ein Strichmännchen malen kann, liegt daran, dass ich das nie geübt habe und nicht, dass ich kein Talent dazu habe. Würde ich mich jeden Tag hinsetzen und von der Pike auf zeichnen üben, wäre ich vielleicht in ein paar Jahren auch gut dahin. Will ich das? Nein, denn in den zweieinhalb Dekaden meines jungen Lebens habe ich andere Wichtigkeiten für mich entdeckt. Ich finde es nur immer so unglaublich ernüchternd, wenn von Neid zerfressene Leute das Können und den Erfolg anderer schlechtmachen. Sollen die sich doch selbst anstrengen und großartiges schaffen, als immer ihre eigenen Unsicherheiten und Komplexe hinter Neid und Missgunst zu betten. Was ist eure Ausrede? Vor allem Menschen aus Industrienationen, die die Freiheit und soziale Absicherung haben, das zu tun, was sie möchten. Live long and prosper, motherfuckers. Oder so.

Mich regt sowas einfach auf. Liegt vielleicht daran, dass ich selten Neid empfinde. Mich spornt Erfolg eher an. Sowas pusht mich ganz gewaltig. Anstatt anderen Menschen den hart erarbeiteten Erfolg zu missgönnen, sehe ich das eher als Anreiz, auch großes zu tun.  Oder es wenigstens zu versuchen. Und wenn Erfolg für einen auch bedeutet, nach langer Prokrastination eine aufgeschobene Sache zu beenden, den Müll runterzubringen, oder alte Klamotten auszusortieren ist da auch gut. Mehr als scheitern kann ich eh nicht, und wenn ich’s nicht versuche und nur rumsitze und rumheule, beleidige ich eher diejenigen, die aus Armut seit Kindesbein an täglich 14 Stunden arbeiten mussten, um überhaupt ein Abendessen auf den Tisch zu kriegen. Und wer neidisch ist, hat schon verloren. See me when I walk away.

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