Film

Film Classic Review: Rear Window

3. Mai 2013

BildObwohl ich Filmwissenschaften im Bachelor studiert habe und wir dort  in den Kursen sowohl Hitchock-Filme behandelt, als auch in den Sichtungen gesehen haben und ich sogar über einen Hitchcockfilm (The Man Who Knew Too Much – Der Mann der zu viel Wusste) eine Hausarbeit geschrieben hab, hab ich letztens mit Schrecken feststellen müssen, noch nie alle seiner Werke angesehen zu haben Diese echte Wissenslücke sofort zu beheben versteht sich von selbst – sowas kann man ja als Filmwissenschaftlerin niemandem sagen, haha. Aber hey, dafür hab ich alle Filme von Todd Haynes gesehen, sogar den mit Barbiepuppen gedrehten und auf dem Index stehenden „The Karen Carpenter Story“. So weit so gut; „Rear Window“ stand auch auf meiner „to watch“-Liste, also habe ich mich dieses Klassikers der Filmgeschichte als erstes angenommen und wurde auch nicht enttäuscht.

Rear Window (oder „Das Fenster zum Hof“, wie der Film in Deutschland in den Kinos lief) erzählt die Geschichte von L.B. „Jeff“ Jefferies (James Steward), ein bekannter, aber mittelloser Fotograph in New York, der auf Grund seines Beinbruchs an seine Wohnung gebunden und an den Rollstuhl gefesselt ist. Gelangweilt von der Unveränderlichkeit seines Einsiedlerzustands, welcher nur durch seine kesse Krankenschwester der alten Schule Stella (Thelma Ritter) und seine Freundin Lisa (Grace Kelly) unterbrochen wird, beginnt Jeff also, zu jeder Tages- und Nachtzeit aus seinem Hoffenster aus seine Nachbarn zu beobachten. Was als lustiger Zeitvertreib und voyeuristische Befriedigung beginnt, wendet sich schlagartig, als Jeff glaubt, einen Mord in einer der Wohnungen zu beobachten. Mit Hilfe seiner zwei Gefährtinnen sowie seines Kumpels Doyle, seines Zeichens NYPD-Officer, gehen Sie der Spur seiner Beobachtungen nach und begeben sich so gleich in brenzlige Situationen, die sie Kopf und Kragen kosten.

Hitchcock, Meister der Suspense, wird auch in Rear Window diesem Titel mehr als gerecht. In wenigen Einstellungen und einer Hand voll Figurenkonstellationen entsteht eine mörderische Geschichte, die den Zuschauer nicht nur bis zur letzten Sekunde fesselt, sondern auch die voyeuristischen Gelüste der Kinozuschauer aufnimmt und wie ein hässliches Spiegelbild zurückschmettert. Hauptcharakter Jeff ist, wie das Publikum selbst,  nur stummer Zuschauer des Ganzen und muss mit ansehen, wie sich sowohl seine geliebte Lisa als auch seine Pflegerin eine nach der anderen an den Ort des Geschehens begeben. Und da der Film fast ausschließlich durch Jeffs Point Of View gezeigt wird, identifiziert sich der Zuschauer nicht nur mit ihm, nein, er wird zu Jeff und wünscht sich fast, immer und immer wieder durch immobile Sensationsgier getrieben, dass der Photograph mit seiner Vermutung Recht hat und wirklich sein Mord geschehen ist – bis zum schrecklichen Moment in dem der mörderische Nachbar die vierte Wand des Kinos durchbricht, zurückschaut und das Publikum aus seiner angeblichen Anonymität herausreißt.

Gnadenlos spielt Hitchock mit den Gefühlen seiner on-screen und off-screen Zuschauer und zeigt gleichzeitig, wie sehr er das Genre der Suspense beherrscht. Der Film „Rear Window“ schafft es wie kein zweiter, psychologisch auf so vielen verschiedenen Ebenen zu funktionieren und gleichzeitig alles, für das das Kino steht, in wenigen Zügen darzustellen und für seine Zwecke zu gebrauchen.

Wertung: ✭✭✭✭✭

No Comments

Leave a Reply

*