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Classic Film Review: Dial M for Murder (SPOILER)

17. Mai 2013

BildZorn, Eifersucht, Gier – das sind menschliche Emotionen, die oft der Auslöser für Mord und andere Gräueltaten sind. Auch in Alfred Hitchcocks Detektivthriller „Dial M for Murder“ (in Deutschland erschienen als „Bei Anruf Mord“) stellen eben diese Emotionen den Rahmen für ein mörderisches Komplott zwischen zwei Eheleuten dar.

Tony Wendice (Ray Milland) hat seine Karriere als Profi-Tennisspieler an den Nagel gehängt um mehr Zeit mit seiner wohlhabenden Frau Margot (Grace Kelly) zu verbringen. Doch als er in der Handtasche seiner Frau plötzlich einen verdächtigen Brief findet, wird ihm klar: Margot hat ein Verhältnis zu einem anderen. Getrieben von Eifersucht und Angst, sie könne sich von ihm trennen und ihm so den Geldhahn für seinen extravaganten Lebensstils zudrehen, gerät Tony in Panik. Er erpresst einen alten Studienkollegen und zwingt ihn, Margot zu töten und es durch eine List wie einen Raubmord mit darauf folgenden Tötungsdelikt aussehen zu lassen.

Die Geschichte des Films ist so simpel und rudimentär, dass wir sie schon alle hundert mal in Detektivgeschichten und Romanen von Sherlock Holmes gelesen haben, trotzdem schafft es Hitchcock diesen Urtyp der Kriminalgeschichte in ein spannendes Wechselbad der Gefühle zu verwandeln. Denn anstatt dem Blick des Detektivs zu folgen, begleitet der Zuschauer von „Dial M for Murder“ den kaltblütigen Mörder und Initiator Tony. Da der tödliche Plan schon in den ersten dreizig Minuten offenbart wird, liegt die Suspense des Films nicht in der Planung oder Durchführung der Tat, sondern vielmehr in ihrem Nichtgelingen und der darauf folgenden Verstrickungen und Verzettelungen des Ehemanns. Schmerzhaft sind wir Zeuge von Tonys Lügenkonstrukten, die jede Minuten wie ein Kartenhaus zusammenfallen könnten. Wenn er sich unten den Fragen der Polizei windet und sich immer mehr in Widersprüche verzettelt, dann quälen wir uns mit ihm; und wenn er in wenigen Handgriffen unbemerkt den Schlüssel zurück in Margots Handtasche steckt, dann halten wir die Luft an. Trotz einfacher Geschichte mit klaren Rollendichotomen gelingt es Hitchcock mit gezielten Einstellungen sowie klugen und originellen Dialogen das Publikum in die Misere zu führen, sich nicht nur mit einem Mörder zu identifizieren, sondern auch wider jeder menschlichen Natur für den positiven Ausgang seines Plans zu bangen. Und Hitchcocks Teufesspiel geht auf: wenn Tony letztendlich überführt wird, sind wir zwar innerlich heimlich enttäuscht, jedoch gleich danach über unsere eigenen Abgründe schockiert und beschämt. „Dial M for Murder“ funktioniert auf vielerlei Ebenen und bringt dabei auch den Zuschauer unbemerkt an den Rand seines reinen Gewissens.

 

Wertung: ✭✭✭

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