Film

Film Review: A Haunted House (SPOILER!)

27. April 2013

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Der Satirefilm „A Haunted House“ oder „Ghost Story“ wie er seltsamerweise in Deutschland heißt, begleitet die frisch zusammengezogenen Malcolm und Kisha, die immerzu die Kamera auf alles halten, was sie gerade tun – sei es fröhlich Hamburger mampfen oder gelegentlich streiten- bis sie merken, dass ein Geisterwesen im Haus sein Unwesen treibt und nun nicht mehr weg möchte. Nach bester Paranormal-Activity-Manier rascheln Decken, es fallen Töpfe und Pfannen von den Wänden und auch die bekannte Nachtsichtkameraeinstellung des ersten Films der Reihe findet gelungene satirische Verwendung. Jedoch bricht die gut funktionierende, am Original erstaunlich gut situierte Komödie, wenn der Film in einen geistlosen, Furz-und-Schnackseln-Abyssus abdriftet. Wechselhaft, fast schemenhaft wechselt das Genre zwischen Horror und Pubertätshumor. Auf der einen Seite gibt es Schreckmomente, wenn sich die Kamera dreht und urplötzlich die gruselige Haushälterin einen Zentimeter vor der Linse auftaucht; auf der anderen Seite sieht man Kisha auf dem Klo sitzend Zauberwürfel lösen und ihre übel riechenden Ausdünstungen dem entrüsteten Malcolm zuwedelnd. Je mehr der Film voranschreitet, desto verwirrter wird der Zuschauer durch die Inkonsistenz des Genres. Auch erscheint die 2-Minütige Szene, in der Malcolm „Sex“ mit seinem Kuschelhasen hat, mehr als fragwürdig und ziemlich verstörend… und man fragt sich ernsthaft, ob man lachen oder weinen solle und ob diese Szene nun der Komödie oder des Horros zugeordnet werden muss. Das Genre-Verwirrspiel findet jedoch in der Charakterauswahl ihren Höhepunkt. Alle Freunde und Verwandten sowie Geisterjäger, Priester und Kamerainstallateure sind seltsamerweise allesamt perverse Triebtäter mit mehr als eindeutigen Andeutungen, die jedoch im Endeffekt nur leere Phrasen dreschen. Was in anderen Komöden funktioniert und auch bei Satiren wie „Scary Movie“ immer gelungen eingesetzt wird, erscheint hier seltsam und deplatziert, geschweigedenn übertrieben. „A Haunted House“ ist nicht lustig genug, um solche polarisierenden Typen gezielt einzusetzen. Auch stößt einem die Myriade an Gangbang- und Fetischjokes übel auf, weil die Nebencharaktere anscheinend keine andere Funktion haben, als immerzu aus der gleichen schmuddeligen Kiste die gleichen, abgelegten und nicht verwendeten perversen Sprüche aus Filmen wie „Scary Movie“ u.ä. rauszukramen. Ein oder zwei Mal würden solche humoristischen Einlagen die Szenen auflockern, doch das stumpfe Aneinanderreihen von Sexualhumor ist so sinnvoll, wie auf ein totes Pferd zu schlagen. Quasi ist der Zuschauer dieses tote Pferd, dass kontinuierlich mit einem Knüppel des Fäkalhumors zu Tode geprügelt wird, damit auch das allerschwächste Glied der Kette versteht, dass es sich hier um eine KOMÖDIE handeln soll.

Ab einem gewissen Punkt scheint der Film selbst zu merken, dass die mühseligen Versuche der Komödie nicht fruchten und dass die Genre-Anforderungen, bzw. die Einbringung von Witzen oder satirischen Elementen nicht erfüllt werden. Ab diesem Zeitpunkt kippt der Film endgültig ins mieserabele und die anfänglichen, gut funktionierenden Anlehnungen an die Paranormal Activity-Franchise werden durch ekelhafte Teufelsaustreibungen getauscht. Und wenn in den letzten Einstellung die vom Teufel besessene Kisha ausbüchst und die männliche Garde in einem dunklen Keller und einem noch dunkleren Garten nach ihr sucht, dann schafft auch die zufällig gefundene, so genannte „Schwarz-Weiß-Sex party“ keinen Comic Relief mehr. Im Gegenteil, der Zuschauer wird noch einmal in das verstörende Genre-Wechsel-Dich-Spiel eingebettet, welches nicht nur die aufgebaute Spannung komplett negiert, sondern auch Filmen wie „Scary Movie“, die den Balanceakt aus Satire und pubertären Witzen durchaus erfolgreich meistern, grundsätzlich beleidigt.

Der Film „A haunted house“  ist der pubertäre, weniger originelle 16-Jährige Bruder der „Scary Movie“-Reihe. Mit der Aussicht, die „Paranormal Activity“-Filmreihe zu parodieren, verendet der Film als eine merkwürdige Furzwitze- Aktion, die den Zuschauer mit Kopfschütteln zurücklässt und ihn fragen lässt, warum man nicht gleich 90 Minuten lang die Raufasertapete  angestarrt hat – eine Tätigkeit, die diesem Film intellektuell weitaus überlegen ist und wohl mehr niveauvolle Nachhaltigkeit verspricht.

 

Wertung: ✭✭✰✰✰

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