Allgemein

Filme, mal wieder

31. März 2013

Deutsche Filme. Ja, was soll man dazu noch sagen? Es scheint wohl einen Grund zu haben, wieso, im Vergleich zu anderen Ländern, das deutsche Kino eher unbedeutend ist. Ja, damit meine ich deutsches, also in Deutschland produziertes und entwickeltes Kino. Hanecke und Walz lasse ich außen vor, das sind nämlich Österreicher. Deutsches Kino ist so schwer wie die deutsche Geschichte selbst. Deutsches Kino ist allumfassend kompliziert, furchtbar tragisch und unendlich geradlinig. Geradlinig und trotzdem zurückblickend. Dieses inhärente Paradoxon verstehen nur Deutsche, das ist ja das Schlimme. Außerhalb Deutschlands versteht man die Schwere nicht, die immer noch auf uns als Gemeinschaft liegt. Diese unausgesprochene, jedoch gleichzeitig niemals vollkommen verschwindene Schuld, der Grund, warum wir so sind wie wir sind. Und weil wir nun mal so sind wie wir sind, sind auch unsere Filme so wie sie sind. Nämlich schwer. Deutsche Filme sind im Endeffekt immer gleich; entweder sind sie kritisch-linksradikal politisch, oder sie handeln von geschichtlichen Themen wie „Der Untergang“, „Sophie Scholl“ oder auch „Das Leben der Anderen“. Als Kontrastprogramm zu dieser Anreihung von Ernsthaftigkeit gesellt sich lediglich Til Schweiger mit seinen hinrissigen, jedoch die Sparte der „Komödie“ bedienenden Schinken. Dazwischen gibt es nichts. Entweder Trash oder duselige Schuld.

Woran liegt das? Ist es möglich, diesen Bannkreis zu durchbrechen? Ist es möglich, deutsches Kino aus der Versenkung der gesellschaftlichen und politischen Last zu hieven und Filme zu drehen, die man im Ausland vielleicht verstehen könnte? Oder ist dieser Prozess verbindlich an den der politischen und gesellschaftlichen Katharsis gekoppelt? Ich glaube ja. So lange Deutschland seinen Dämmerschlaf der historischen Schuld nicht verlässt, so lange werden wir stets von der epistemischen Schwere des Seins, unseres Seins, gegeißelt. Und so lange werden wir Filme drehen, die genau dieses Problem verkörpern; unfreiwillig vielleicht, unwissend, aber dennoch schwermütig.

Die Kultur reproduziert ja letztendlich nur die Gedankenwelt, Probleme und Ästhetik der Menschen einer Gesellschaft, wie kann also ein menschengemachtes Medium dieser Einflüsse entledigen? Es ist also nicht der deutsche Film, der schwermütig ist, sondern viel mehr die Individuen, die dahinter stehen, die das wiederholen, was wir alles schon wissen und fühlen. Es gibt ja auch keine Alternative. Das merkt man ja schon, wen man sich mit dem Medium beschäftigt. Die wichtigsten deutschen Filmschöpfer des 20. Jhds sind auf Grund ihrer semitischen … tja… Erfassung? am Ende der 30er Jahre in die USA ausgewandert und haben all die kreative Kraft, den Leichtsinn und die Küstler mitgenommen. Und wenn ein Fritz Lang in den USA sich Themen wie Angst, Wut, Hetze und Masse annimmt, dann wird auch der Blindeste mit dem verkrüppeltsten Krückstock sehen, das zu diesem Zeitpunk dem Kino in Deutschland etwas attestiert wurde, was es für den Rest seiner Zeit prägen wird. Wir wissen das, wir wissen auch die Kraft der Hetze und Masse und Wut. Und wahrscheinlich ist es deswegen unsere Pflicht als Gesellschaft diese Themen auszumerzen (die Ironie ist übrigens gewollt -> an alle die es verstehen), und uns Themen zu widmen, die das Wissen um dieses Wissen auf eine verständnisvolle Weise darstellt. Dass das schwerer ist, als vielleicht gedacht, das sehen wir täglich. Und vielleicht ist das auch genau das, was das deutsche Kino ausmacht. Dieses Wissen um die Sprachlosigkeit des geschichtlichen Äthers des Schweigens und der Schuld.

No Comments

Leave a Reply

*